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Aromatisierter Likör für königliche Gelage 3700 Jahre alte Weinkrüge entdeckt

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Die großen Krüge stammen aus dem Jahr 1700 vor Christus.

(Foto: AP)

Archäologen sind begeistert: In Nordisrael entdecken sie Dutzende, ein Meter hohe Weinbehälter aus kanaanäischer Zeit. Chemische Untersuchungen lassen Rückschlüsse zu, wie damals der Wein geschmeckt haben könnte.

Im Norden Israels ist in einem Palast aus dem Jahr 1700 vor Christus ein Weinkeller aus der kanaanäischen Periode ausgegraben worden. In einem Raum bei der Ausgrabungsstätte Tel Kabri nahe Naharija fanden die Forscher 40 gut erhaltene, ein Meter hohe Weinbehälter aus Ton. Die identischen Gefäße, die vielleicht sogar vom selben Töpfer gefertigt wurden, haben ein Fassungsvermögen von 50 Litern. Insgesamt konnten in dem Raum 2000 Liter Wein eingelagert werden. Nach Angaben der Archäologen handelte es sich um einen Weinkeller, aus dem offizielle und vielleicht königliche Gelage bedient wurden. "Das ist kein Weinkeller eines Mannes, der sich nach getaner Tagesarbeit ein gutes Glas gönnt", sagte Andrew Koh von der Brandeis University.

Chemische Untersuchungen der Weinspuren in den Poren der Tongefäße ergaben, dass sie weißen wie roten Wein enthielten. Gemäß dem Brauch vor 3700 Jahren wurde der Wein offenbar mit Gewürzen aromatisiert, darunter mit Honig, Minze, Zedernharz und Zimtborken.

Über die Bewohner und Herrscher von Tel Kabri aus dieser Zeit ist nur wenig bekannt. Doch im 50 Kilometer entfernten Hazor pflegte man enge Kontakte zu Mesopotamien, dem heutigen Irak. Die Beschreibung des Weins in Keilschrifttexten entspricht exakt den Zutaten, die jetzt in den Weingefäßen in Kabri analysiert worden seien, hieß es.

Der Wein hat den Archäologen zufolge nicht "frisch wie ein Beaujolais" geschmeckt, sondern eher wie ein süßlicher Kräuterlikör, den man heute nur als Medizin genießen würde. Die genaue chemische Analyse des Weins von Kabri könnte ermöglichen, den Geschmack des 3700 Jahre alten Getränks zu rekonstruieren. Assaf Yasur-Landau von der Universität von Haifa erklärte im israelischen Rundfunk, dass das Zedernharz offenbar aus dem benachbarten Libanon stammte und eine sehr kostbare Zutat war.

Kanaanäer geben Kunst des Weinkelterns weiter

Patrick McGovern von der University of Pennsylvania, Experte für Weinherstellung in der Antike, misst dem Fund große Bedeutung bei, denn die Weinherstellung habe sich vom Land Kanaan nach Ägypten und später in den ganzen Mittelmeerraum ausgebreitet. So gehe die Kunst des Weinkelterns in Griechenland, Italien und Spanien auf die Kanaanäer zurück.

Der größte Weinkeller der Antike mit 700 Tongefäßen wurde im rund 5000 Jahre alten Grab des ägyptischen Pharaos Skorpion I. gefunden. Da es aber in Ägypten keine wild wachsenden Reben gab, wird angenommen, dass der Wein von Kanaan nach Ägypten gebracht wurde. Der neue Fund auf Tel Kabri liefere dafür eine Bestätigung, sagte McGovern bei der ersten Präsentation der Funde in Baltimore beim Jahrestreffen der American Schools of Oriental Research.

Quelle: ntv.de