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Tropische Wälder Abholzen folgt ökonomischen Gesetzen

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Das Abholzen bedroht nicht nur den Baumbestand.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Eine Untersuchung zur Nutzung des Waldes rund um Dar es Salaam zeigt, dass hochwertige Hölzer in weiter Entfernung zur Stadt abgeholzt werden, während in näherer Umgebung Bäume geringerer Qualität genutzt werden. Die Folgen für Umwelt und Bevölkerung sind verheerend, es gehen wichtige öffentliche Güter verloren.

Der deutsche Agrarwissenschaftler und Nationalökonom Johann Heinrich von Thünen erkannte bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Ob sich das Herstellen eines landwirtschaftlichen Produkts lohnt, hängt entscheidend von der Weglänge zum Markt ab. Angesichts der hohen Transportkosten ist auf fernen Flächen nur der Anbau hochwertiger Güter rentabel. Sie versprechen einen hohen Gewinn.

Die Richtigkeit dieser Theorie bestätigt ein internationales Forscherteam heute, knapp 200 Jahre später, einmal mehr mit einer Untersuchung zur Nutzung des Waldes rund um den tansanischen Regierungssitz Dar es Salaam: Hochwertige Hölzer mit hohem Preis werden dort auch in weiter Entfernung zur Stadt abgeholzt, während in näherer Umgebung Bäume geringerer Qualität genutzt werden. Für Umwelt und Bevölkerung hat dies verheerende Folgen, da wichtige öffentliche Güter verloren gehen. Das berichten die Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.

Grenzen verschieben sich

Antje Ahrends von der University of York in Großbritannien und ihre Mitarbeiter hatten die Holznutzung in den Wäldern rund um Dar es Salaam zwischen 1991 und 2005 untersucht. Billige Bäume werden von der Bevölkerung zur Produktion von Holzkohle genutzt. Im Jahr 1991 schlug sie Holz dafür aus einem maximal 50 Kilometer weiten Ring um die Stadt, bevorzugt in einer Entfernung von höchstens 20 Kilometern.

Ein zweiter Ring zog sich in einem Radius von 20 bis 100 Kilometern um die Stadt. Dort wurden Hölzer mittlerer Qualität geschlagen. Diese Arten eigneten sich zum Export, aber auch zum Bau von Häusern in der Stadt. Der dritte Kreis dehnte sich noch weiter aus. Dort wurden Hölzer mit hohem Preis umgesägt. Die Abfolge dieser Ringe blieb bis ins Jahr 2005 erhalten, allerdings hatten sich die Grenzen der Kreise erheblich nach außen verschoben, schreiben die Wissenschaftler.

Baumdichte und Artenvielfalt nehmen ab

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Tiere sind massiv durch die Abholzung bedroht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Meiler fanden sich demnach noch in 170 Kilometer Entfernung zur Stadt – die nahen Wälder waren bereits ausgebeutet. Dies spiegelte sich auch im Preis der Kohle wider, der zwischen 1997 und 2007 von 0,18 US-Dollar auf 0,27 US-Dollar pro Kilo stieg. Demgemäß verschoben sich auch die Grenzen der Gebiete, in denen mittlere und hochwertige Hölzer geschlagen wurden. Sie dehnten sich auf 50 bis 170 Kilometer, beziehungsweise auf über 200 Kilometer aus.

Grundsätzlich nahmen Baumdichte und Artenvielfalt ab, einige Arten waren komplett verschwunden. 2010, so schätzen die Forscher, wird es in 220 Kilometern rund um Dar es Salaam keine hochwertigen Hölzer mehr geben. Mit der Übernutzung der Wälder sinke auch die Kohlendioxid-Speicherkapazität. Diese Tatsachen müssten bei den Bemühungen berücksichtigt werden, den Klimawandel durch besseres Management der Waldflächen zu bremsen.

Naturschutz spielt kein Rolle

Ob die Waldgebiete unter Schutz standen oder nicht, wirkte sich in der vorgestellten Untersuchung kaum auf die Nutzung aus, berichten die Forscher weiter. Dafür sei der Holzbedarf zu groß. Auch Exportverbote wirkten scheinbar nicht. So hätte China 2005 eigenen Daten zufolge zehnmal Holz importiert als Tansania insgesamt zum Export freigegeben hatte.

Quelle: n-tv.de, dpa

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