Wissen

Ein Enzym für beide Abhängigkeiten Alkohol- und Nikotinsucht lindern

23454488.jpg

Geht oft einher: die Abhängigkeit von Alkohol und Nikotin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Forscher finden bei Labormäusen ein Enzym für Alkohol- und Nikotinsucht. Das könnte erklären, warum beide Abhängigkeiten häufig zusammen auftreten.

Alkohol- und Nikotinsucht lassen sich möglicherweise auf demselben Weg lindern: US-Forscher sind bei Versuchen mit Labormäusen auf ein körpereigenes Enzym gestoßen, das bei beiden Abhängigkeiten eine Rolle spielt. Die Entdeckung könne eventuell auch erklären, warum Nikotin- und Alkoholsucht oft im Doppelpack auftreten, schreiben Anna Lee und Robert Messing in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). Der Grund für diese häufig anzutreffende Doppelsucht ist bislang ungeklärt.

Die Wissenschaftler hatten bei Versuchsmäusen ein Gen für das Enzym Proteinkinase C Epsilon (PKC Epsilon) ausgeschaltet und anschließend die Reaktion der Tiere auf nikotinhaltiges Wasser beobachtet. Während unveränderte Mäuse mit diesem Enzym im Laufe von vier Wochen kontinuierlich mehr nikotinhaltige Lösung tranken, zeigten die veränderten Versuchstiere kein gesteigertes Interesse daran. Sie liefen auch seltener in die Kammer, in denen sie die Nikotin-Lösung bekommen hatten.

Dopamin ausgeschüttet

Bei der genaueren Untersuchung stellten Lee und Messing fest, dass die Mäuse ohne Enzym auch weniger Nikotinrezeptoren besaßen. Diese Rezeptoren lösen normalerweise die Ausschüttung des "Glückshormons" Dopamin aus, das ein Belohnungsgefühl im Hirn bewirkt und so das Suchtverhalten stärkt.

Dasselbe Enzym hatte in früheren Studien der Forscher schon ähnliche Auswirkungen auf die Alkoholsucht gezeigt: Mäuse ohne PKC Epsilon tranken weniger Alkohol und mieden die Kammer, in der es den Alkohol gab. "Das könnte bedeuten, dass diese Mäuse nicht das gleiche Belohnungsgefühl durch Nikotin oder Alkohol bekommen", erläuterte Messing in einer Mitteilung seiner Hochschule.

Der nächste Schritt ist Messing zufolge die Entwicklung eines Hemmstoffs für PKC Epsilon. Das Fernziel könne eine Medikamententherapie sein, die die Sucht so weit dämpfe, dass Abhängige ihr Verlangen leichter überwinden könnten.

Quelle: ntv.de, dpa