Wissen

Schonzeit wird immer kürzer Allergiker müssen aufpassen

13965144.jpg

Obwohl der Frühling noch nicht richtig da ist, sind die Allergiker schon pollengeplagt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wegen des milden Winters werden in dieser Saison vier Wochen früher als sonst Pollen in der Luft gemessen. Häufige Niederschläge und hohe Luftfeuchtigkeit jedoch machen die Belastung erträglich. Die Prognosen allerdings sind alles andere als beruhigend.

Der Pollenflug hat in dieser Saison schon im Dezember begonnen und damit vier Wochen früher als sonst. Schuld daran ist der milde Winter. "Haselnuss- und Erlenpollen konnten bereits in der Luft gemessen werden, dennoch ist die Belastung für Allergiker noch nicht so stark", erklärt Professor Karl-Christian Bergmann vom Allergie-Centrum der Charité in Berlin. "Die hohe Luftfeuchtigkeit der letzten Wochen und die häufigen Regenfälle haben dazu geführt, dass die Pflanzen ihre Pollen entweder gar nicht losgelassen haben oder die Pollen durch den Regen aus der Luft gewaschen wurden", sagt der Experte, der auch der Leiter der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst ist.

Dennoch sind einige Pollenallergiker verwirrt, ob es sich bei der laufenden Nase schon um eine allergische Reaktion handelt oder um einen ganz normalen Schnupfen. Ganz wichtig sei, dass jeder Allergiker weiß, worauf er übersensibel reagiert, so Bergmann, denn so könne am besten mit der Allergie umgegangen werden. Bei der Unterscheidung zwischen einem Schnupfen und einer allergischen Reaktion ist der Juckreiz das ausschlaggebende Symptom. Er ist der maßgebliche Hinweis auf eine Allergie. Dabei kommt es nicht darauf an, dass es in der Nase juckt. Auch Augen, Mundhöhle, Ohren oder die Haut können davon betroffen sein.

Stellt sich der Schnupfen als eine allergische Reaktion heraus, dann können sich Allergiker mit Antiallergietabletten, sogenannten Antihistaminika, helfen. Diese freiverkäuflichen Medikamente sollte jeder Allergiker zu Hause haben und zunächst nach Bedarf einnehmen. Hält der Pollenflug an, dann dürfen die Medikamente regelmäßig, am besten in Absprache mit einem Allergologen, zur Anwendung kommen. Die Tabletten führen im besten Falle dazu, dass die Überempfindlichkeit in der Nase etwas abgebaut wird. Die Informationen, wie stark welche Region von welchen Pollen betroffen sein wird, kann am besten auf der Internetseite der Stiftung deutscher Polleninformationsdienst in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst eingesehen werden.

Bäume sind voll mit Pollen

Der warme Winter hat vor allem auf die Baumpollen Auswirkungen. "Trotz anderslautender Meldungen konnten wir in diesem Jahr jedoch noch keine Birkenpollen nachweisen", erzählt Bergmann. Diese werden, sollte es bei ähnlich milden Temperaturen bleiben, erst im März erwartet. Dennoch werden wahrscheinlich auch in diesem Jahr die Birkenpollenallergiker stark beeinträchtigt sein. Sowohl die Pollenstände der Birken als auch der Haselnussbäume sind reich gefüllt, so dass mit einer hohen Pollenbelastung gerechnet werden muss. Auch die Belastung durch Eschenpollen nimmt in den letzten Jahren immer mehr zu, ist jedoch schwer von der Birkenpollenallergie zu unterscheiden.

"Die Belastungen durch Gräser- und Getreidepollen dagegen sind in den letzten Jahren in Deutschland etwas zurückgegangen", sagt Bergmann. "Das liegt möglicherweise daran, dass durch die hohen Temperaturen, die immer früher im Jahr auftreten, auch früher gemäht bzw. geerntet wird, so dass die Pollen gar nicht erst zur Reife gelangen" so Bergmann weiter. Bei den Kräuterpollen dagegen, wie von der gefürchteten Ambrosia oder dem Beifuß, hat sich die Zeit des Pollenfluges mit milden Temperaturen im Herbst wesentlich nach hinten ausgedehnt." Wenn der Herbst lange milde Temperaturen hat, dann können die Pollen des Beifuß bis in den Dezember nachgewiesen werden.

Hyposensibilisierung auch bei Pollenflug nicht aussetzen

Allergiker, deren Leidensdruck sehr hoch ist, werden oftmals mit einer sogenannten Hyposensibilisierung therapiert. Das ist eine spezielle Immuntherapie, bei der aufbereitete Allergene entweder über täglich einzunehmende Tropfen oder Tabletten oral oder mit Spritzen direkt unter die Haut in den Körper gebracht werden. Die Spritzentherapie sollte möglichst, um den Körper nicht zu überlasten, in der pollenfreien Zeit, also im Spätherbst oder Winter begonnen werden.

Obwohl die ersten Pollen schon geflogen sind, darf keine der Therapien abgebrochen werden. Die Hyposensibilisierung mit Tabletten oder Tropfen ist unbedingt so, wie mit dem Arzt vereinbart, weiterzuführen. Bei der Spritzentherapie wird der Allergologe die Pollendosis anpassen. "Meistens wird die Stärke des Extrakts, der gespritzt wird in der Pollensaison halbiert", erklärt der Experte das Vorgehen. Wegen eines geringen Risikos eines allergischen Schocks müssen die Patienten, die sich der mehrjährigen Spritzentherapie unterziehen, sich nach der Injektion noch mindestens 30 Minuten in der Praxis des behandelnden Arztes aufhalten.

Urlaub in pollenarmen Gegenden

Die europäische Stiftung für Allergieforschung zertifiziert Regionen, die als allergenarm eingestuft werden. Allergiker haben so die Möglichkeit, für den kommenden Urlaub einen allergenarmen Ort auszuwählen und damit ihre Beschwerden zu verringern. Vor einem Umzug jedoch rät Bergmann in den meisten Fällen ab, da der Aufwand in keinem guten Verhältnis zum Nutzen steht. "Die meisten Menschen, die wegen einer Allergie umgezogen sind, sind schließlich von der Auswirkung enttäuscht", erklärt der Arzt.

Wer es einrichten kann, der sollte außerdem auf die Jahreszeit achten, um die Belastung mit Pollen zu minimieren. Wer beispielsweise auf Birkenpollen reagiert, der kann im April nach Skandinavien fahren, weil dort die Birken zu dieser Zeit noch keine Pollen abgeben oder zur gleichen Zeit in Richtung Süden. In Norditalien beispielsweise ist der Birkenpollenflug im April schon vorbei.

Am besten ist es, wenn Allergiker so viel wie möglich Informationen über ihre Allergene und die Zeiten des Pollenfluges einholen. Denn je besser ein Betroffener darüber Bescheid weiß, umso besser kann er sich mit seiner Erkrankung arrangieren.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema