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Doppelt so groß wie das Saarland Am Südpol entsteht ein Eisriese

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Die Aufnahme zeigt den Riss zwischen Schelfeis und dem neu entstehenden Eisberg.

(Foto: Nasa)

Ein gewaltiger Riss im Larsen-C-Schelfeis droht, eine enorme Eismasse vom Festland zu trennen. Nur noch rund 20 Kilometer Eis verbinden den rund 5000 Quadratkilometer großen Riesen mit dem Schelfeis.

Ein Eisberg von der doppelten Größe des Saarlands könnte demnächst durch antarktische Gewässer treiben. Der Gigant wird nur noch durch eine 20 Kilometer breite Brücke an dem restlichen Schelfeis gebunden. Das klingt viel, doch allein in der zweiten Dezemberhälfte 2016 habe sich der Riss um 18 Kilometer verlängert, berichten Forscher des Projekt Midas, dass sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf das antarktische Schelfeis beschäftigt.

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Der Riss im Schelfeis ist in nur einem halben Monat um 18 Kilometer gewachsen.

(Foto: Nasa)

Der Riss, der die Eismasse derzeit vom restlichen Schlefeis trennt, ist etwa 80 Kilometer lang und rund 500 Meter breit, berichten die Forscher. Der nun entstehende Eisberg könnte zu den größten jemals dokumentierten Eisbergen aller Zeiten zählen, heißt es.

Das rund 350 Meter dicke Larsen-C-Schelfeis schwimmt nordwestlich des antarktischen Kontinents im Weddelmeer. Im Gegensatz zu Eisbergen wird Schelfeis von Gletschern gespeist und hat dadurch eine feste Verbindung zum Festland.

Warum das Schelfeis bricht, ist nicht abschließend geklärt. Der "Spiegel" berichtet mit Verweis auf Einschätzungen von Glaziologen, dass bereits andere Schelfeisflächen durch warmes Wasser von unten angegriffen worden seien. Demnach könnten bei Larsen-C ähnliche Prozesse für den Abbruch verantwortlich sein.

Larsen-A und -B sind schon fast verschwunden

Dass größere Eisberge vom Schelfeis abbrechen, ist nichts ungewöhnliches. Forscher bezeichnen diesen Prozess als "Kalben". Eine Abspaltung dieser Größenordnung könne jedoch zum Risiko für das gesamte Schelfeis werden, heißt es bei Midas. Larsen-C würde damit rund zehn Prozent seiner Fläche verlieren. Im Raum steht die Frage, ob das gesamte Schelfeis durch den Abbruch instabil werden könnte. Die Sorge ist nicht unbegründet: Andere Teile des Larsen-Schelfeises, das insgesamt noch etwa so groß ist wie Niedersachsen, sind bereits Geschichte. Larsen-B, in einer Nachbarbucht gelegen, verlor 2002 innerhalb von sechs Wochen rund 3200 Quadratkilometer Eis. Larsen-A verschwand bereits 1995.

Durch den Abbruch des Eisberges wird sich in der Antarktis allerdings nicht all zu viel verändern. Der Meeresspiegel würde gleich bleiben, da das Eis ja bereits auf dem Wasser schwimmt und Wasser verdrängt. Allerdings könnte ein weiteres Schmelzen des Larsen-Schelfeises den Meeresspiegel durchaus beeinflussen. Die dahinter liegenden Gletscher könnten direkt in die Ozeane fließen und die Eismassen oberhalb der Wasserfläche könnten bei einer Schmelze die Pegel anheben. Würde das Larsen-Schelfeis komplett verschwinden, rechnen die Forscher mit einem Anstieg des Meeresspiegels um rund zehn Zentimeter.

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa

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