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Überraschende Hirnblutungen Aneurysmen entwickeln sich still

Menschen mit einer Aussackung von Hirngefäßen wissen oft nicht, dass sie mit dieser Fehlbildung leben. Über die Risiken von Hirnblutungen durch solche sogenannten Aneurysmen und Therapieverfahren sprechen Experten auf einer Tagung der Neurochirurgen in Hamburg.

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Hirnblutungen sind kaum vorherzusehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Plötzlicher, nicht auszuhaltender Kopfschmerz bis hin zur sofortigen Bewusstlosigkeit und Koma: Eine Hirnblutung aufgrund eines Aneurysmas im Gehirn tritt meistens völlig überraschend auf. "Die meisten Patienten merken von dieser Aussackung an einem Gefäß viele Jahre nichts, bis es dann zu einer dramatischen Blutung kommt, die oft lebensgefährlich ist", sagt Prof. Volker Seifert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Teils würden solche Aneurysmen durch das Verfahren der Kernspintomographie zufällig entdeckt.

Bei welchem Befund die an sich beschwerdefreien Patienten operiert werden sollten, diskutieren Experten auf einer Tagung in Hamburg. Aneurysmen sind teils angeboren oder entstehen im Lauf des Lebens, sie sind von allen Gefäßmissbildungen im Gehirn am gefährlichsten. Die Gefäßwände sind dabei dünner als gewöhnlich, es kommt zu einer Ansammlung von Blut, diese Blase droht dann zu Platzen. Jedes Jahr erleiden geschätzte 7 bis 15 von 100 000 Menschen in Deutschland eine solche sogenannte Subarachnoidalblutung.

Hintere Aneurysmen gefährlicher

Im Gehirn betreffen Aneurysmen die Gefäße an der Schädelbasis, die sich in den vorderen und hinteren Kreislauf aufteilen. "Aneurysmen im vorderen Kreislauf sind mit bis zu 90 Prozent am häufigsten", sagt Seifert. Die hinteren Aneurysmen neigten jedoch häufiger zu Blutung und seien gefährlicher. Aufgrund von Blutungen dieser Aneurysmen könne unter anderem der Hirnstamm mit dem Atemzentrum oder auch das Kleinhirn geschädigt werden.

Zwei Behandlungswege stehen den Medizinern offen. "Bei den mikrochirurgischen Verfahren wird das Aneurysma mit einem Edelstahl-Titan-Clip verschlossen, dazu muss am offenen Gehirn operiert werden", sagt Tagungspräsident Prof. Manfred Westphal, Ärztlicher Leiter der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Die zweite Möglichkeit sei, einen Katheter von der Leiste her in Richtung Gehirn zu führen, und so die Aussackung mit verschiedenen Materialien von innen zu verschließen. Beide Techniken hätten das gleiche Potenzial für Komplikationen, dazu zähle das Risiko, dass das Aneurysma während des Eingriffs platze, oder ein Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel auftrete.

Schwierige Entscheidung

Was ist also zu tun, wenn solch ein Aneurysma zufällig entdeckt wird? Seifert sieht in seiner Sprechstunde pro Woche zwei bis drei dieser Patienten, die beispielsweise wegen Migräne oder nach einem Trauma am Kopf eine Kernspintomographie erhalten haben. "Man richtet sich dabei nach der Größe und der Lage des Aneurysmas sowie nach dem Alter der Patienten."

Aus einer Langzeitstudie mit mehr als tausend Patienten aus Europa und den USA wisse man, dass die Wahrscheinlichkeit eines Reißens (Ruptur) des Aneurysmas mit dessen Größe steige. Insgesamt liege die Wahrscheinlichkeit einer Blutung bei 0,5 bis 2 Prozent pro Jahr.

Laut den Experten kann für einen Eingriff bei einem Aneurysma ohne Beschwerden auch entscheidend sein, wie viel Angst der Patient vor einer plötzlichen Blutung hat, und ob er sich sehr stark psychisch belastet fühlt. Wichtig sei die Behandlung an einem speziellen Hirngefäß-Zentrum wie Frankfurt oder Hamburg. Und: Nicht immer lassen sich die Aneurysmen vollständig schließen.

Behandlung als Chance

Im Jahr 2008 veröffentlichte Seifert im Deutschen Ärzteblatt eine Studie über die Behandlung von Patienten mit noch nicht gerissenen Aneurysmen. Von 288 Patienten wurden 126 Patienten mikrochirurgisch operiert, und 74 Patienten über die Gefäße von innen (endovaskulär) versorgt, der Rest wurde aufgrund verschiedener Gründe nicht mit diesen beiden Verfahren behandelt.

Kein Patient starb im Rahmen der Behandlung. Bei etwa fünf Prozent seien vorübergehend neurologische Auffälligkeiten eingetreten, bei nur drei Patienten sei das Ergebnis unbefriedigend gewesen, es kam laut Studie zu Blutungen oder einem Riss. Bei sieben mit einem Katheter behandelten Patienten wurde ein zweiter Eingriff notwendig.

Quelle: ntv.de, dpa

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