Wissen
Donnerstag, 08. August 2013

Endlich ein Impfstoff?: Anti-Malaria-Serum senkt Erkrankungsrate

Bei den Forschungen an einem Impfstoff gegen Malaria gelingt Wissenschaftlern in den USA ein vielversprechender Fortschritt. Ihre Tests mit abgeschwächten Erregern erzielen Ergebnisse, die auf eine Immunisierung gegen Moskitostiche mittels Injektion hindeuten.

Ansicht einer Stechmücke mit ausgestrecktem Stechrüssel.
Ansicht einer Stechmücke mit ausgestrecktem Stechrüssel.(Foto: imago stock&people)

Einer Forschergruppe um Robert Seder vom Impfforschungszentrum in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland ist es gelungen, die in Moskitos lebenden und für die Übertragung einer besonders gefährlichen Malaria-Variante verantwortlichen Parasiten Plasmodium falciparum in einer für Impfungen geeigneten Form zu kultivieren und zu einem Serum zu machen. Das berichtet die US-Fachzeitschrift "Science".

Dass sich Menschen durch eine Injektion von Plasmodium falciparum gegen Malaria immunisieren können, ist der Forschung nach Angaben von "Science" schon seit 40 Jahren bekannt. Es gab aber bislang noch keinen geeigneten Weg, die winzigen Parasiten für Impfungen aufzubereiten. Bisher war die einzige Möglichkeit, Menschen von infizierten Moskitos stechen zu lassen.

Die Dosis macht's

Malaria

Malaria ist eine Tropenkrankheit. Sie wird von Stechmücken übertragen. Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen. Ohne Behandlung ist Malaria lebensbedrohlich.

Weltweit leben 3,3 Milliarden Menschen in Risikogebieten, vor allem in Südamerika, Südostasien und Afrika. 80 Prozent der Fälle kommen in 17 Ländern vor. Jedes Jahr erkranken 219 Millionen Menschen, schätzt die WHO. 660.000 sterben, 90 Prozent davon in Afrika. 86 Prozent der Todesopfer sind Kinder unter fünf Jahren. Weil Malaria-Kranke oft wochenlang geschwächt sind, werden die Verluste durch Arbeitsausfälle auf 9 Milliarden Euro im Jahr geschätzt.

Effektiv sind Moskitonetze, die mit Insektenschutzmittel imprägniert sind, und der frühe Einsatz von Medikamenten.

Die Forscher teilten ihre Testpersonen dem Bericht zufolge in zwei Gruppen auf: Die erste Gruppe bekam im Verlauf eines Jahres vier Impfdosen, die zweite bekam fünf. Nur ein Drittel der ersten Gruppe bekam Malaria, aus der zweiten Gruppe keiner. Je höher die Zahl der verabreichten Dosen war, desto größer war die Zahl der Antikörper, die die Forscher im Blut der Testpersonen feststellten.

Auch die menschlichen T-Zellen, die ein wichtiger Teil der Immunabwehr sind, sprachen demnach in einer "dosis-abhängigen Weise" auf die Serumsgabe an. Ein derartiger Schutz sei bislang nur mittels Immunisierung durch Moskitostiche erreicht worden.

Laut "Science" sind nun noch umfangreiche weitere Studien nötig, bis geklärt ist, ob der neue Ansatz letztlich trägt. Dabei müsse unter anderem geklärt werden, wie lange der Schutz anhält und ob das Serum auch gegen andere Plasmodium-falciparum-Stämme wirkt. Der gefährliche Erreger Plasmodium falciparum kommt vor allem in Afrika vor.

Eine der tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt

Malaria ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten überhaupt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben im Jahr 2010 weltweit 660.000 Menschen an der Tropenkrankheit, rund 90 Prozent davon in Afrika. Die weltweite Zahl der Malariafälle lag im selben Jahr nach diesen Schätzungen bei 219 Millionen.

Gegen keine der Varianten der Tropenkrankheit gibt es bisher einen Impfstoff. Übertragen werden die Malaria-Erreger, die als Plasmodien bezeichneten Parasiten, durch Stechmücken der Gattung Anopheles. Zwar gibt es Medikamente gegen Malaria. In vielen Regionen haben die Erreger jedoch Resistenzen gegen diese Mittel entwickelt.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de