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Hirnveränderung vor der Geburt Autismus beginnt früher als gedacht

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Unicef Foto des Jahres 2009 (Platz 2) von dem tschechischen Fotografen Milan Jaros: E zeigt die fünfjährige Adelka aus Prag, die einen Kindergarten speziell für Autisten besucht. Adelka spricht kein Wort und lebt vollkommen in ihrer eigenen Welt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Kind spielt lieber alleine als mit anderen Kindern, lacht nicht und wirkt unnahbar - Autismus ist bislang nur durch Verhaltensmuster diagnostizierbar. Der Ursache sind Hirnforscher seit Jahren auf der Spur - jetzt gibt es eine heiße Fährte.

Für Autismus typische Hirnveränderungen entstehen offenbar schon vor der Geburt. Das zeigt die Analyse des Gehirngewebes von 22 Kindern, von denen eine Hälfte die Entwicklungsstörung hatte. Bei fast allen Autisten fanden die Forscher um Rich Stoner von der University of California in San Diego Veränderungen in der Schichtung der Hirnrinde. Dies resultiere vermutlich aus der Entstehung der verschiedenen Schichten und der Differenzierung der Nervenzellen schon vor der Geburt, schreiben sie im "New England Journal of Medicine".

Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die oft in der frühen Kindheit beginnt und sich in Problemen etwa bei der Kommunikation und anderen sozialen Fähigkeiten äußert. Zwar hatten Forscher schon früher Hirngewebe von Autisten untersucht, aber das stammte meist von älteren Menschen. Nun analysierten die Forscher Proben von 22 verstorbenen Kindern im Alter von 2 bis 15 Jahren.

Auffällige Stellen in Hirnrinde

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Dabei konzentrierten sie sich auf die Großhirnrinde, die in sechs Schichten angeordnet ist, in denen verschiedene Typen von Nervenzellen mit unterschiedlichen Vernetzungen liegen. Die Forscher untersuchten das Gewebe auf genetische Marker für die Schichten und auch für Autismus.

Bei zehn der elf autistischen Kinder (91 Prozent) fehlten Marker für diverse Schichten, aber nur bei einem der elf anderen Kinder (9 Prozent). Zudem verteilten sich die Veränderungen nicht gleichmäßig über die Hirnrinde, sondern waren auf kleine Stellen von fünf bis sieben Millimetern Länge beschränkt, die über mehrere Schichten reichten. Die Lage der veränderten Bereiche unterschied sich zwar, betraf aber generell Stirnlappen und Schläfenlappen, nicht aber den Hinterhauptlappen. Diese Areale sind etwa an Kommunikation, Sozialverhalten oder der Verarbeitung von Gefühlen beteiligt.

Da dies Kernsymptome von Autismus betrifft, gehen die Forscher davon aus, dass die auffälligen Areale direkt mit der Störung verbunden sind. "Angesichts der gut beschriebenen Unterschiede bei Autismus war das Finden eines relativ ähnlichen pathologischen Merkmals überraschend", schreiben sie. Allerdings könnten veränderte Areale an verschiedenen Stellen Unterschiede in der Art und Ausprägung von Autismus erklären. Dass auch ein nicht autistisches Kind solche Veränderungen hatte, spreche für die Möglichkeit, dass diese nicht zwangsläufig zu klinischen Symptomen führen müssten.

Notwendigkeit einer frühen Behandlung

Das auf einzelne Kleinareale beschränkte Auftreten könnte auch erklären, warum eine frühe Therapie manchmal hilft. Das sich entwickelnde Gehirn könnte sich umorganisieren und so die Defizite ausgleichen.

"Obwohl Autismus allgemein als Entwicklungsstörung des Gehirns angesehen wird, haben Forscher bisher keine ursächlichen Schäden identifiziert", sagte der Direktor des National Institute of Mental Health, Thomas Insel, laut einer Mitteilung dieser US-Behörde. "Wenn diese Studie über eine ungeordnete Architektur im Gehirn mancher Kinder mit Autismus bestätigt wird, können wir davon ausgehen, dass dies einen Prozess widerspiegelt, der lange vor der Geburt einsetzt. Das untermauert die Bedeutung einer früher Diagnose und Behandlung."

Quelle: n-tv.de, sni/dpa

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