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Nasa-Projekt "Orion" Bau an Mond-Raumschiff startet in Bremen

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Noch ist im Bremer Airbus-Werk nur ein vier Meter hoher Zylinder aus Aluminium zu sehen.

(Foto: dpa)

Nach Jahrzehnten wollen die USA wieder Astronauten zum Mond schicken - und später zum Mars. "Orion" heißt das neue Raumschiff, welches das ermöglichen soll. Die Europäer dürfen diesmal mitmachen und steuern ein wichtiges Modul bei.

Mit der beschaulichen Stadt Bremen verbindet nicht jeder die Themen bemannte Raumfahrt und den Aufbruch zu fernen Planeten. Aber in der Hansestadt wird derzeit an etwas gearbeitet, was der Menschheit ermöglichen soll, tiefer als jemals zuvor ins All vorzudringen. Im dortigen Airbus-Werk wurde mit dem Bau eines Schlüsselmoduls für die neue US-Raumkapsel "Orion" begonnen. Mit dieser will die US-Raumfahrtbehörde Nasa ab 2021 erstmals seit den Apollo-Mondlandungen Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre wieder Astronauten in die Tiefen des Alls befördern - erneut zum Mond, aber auch zu Asteroiden und später auch zu weiter entfernten Zielen wie den Mars.

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Das Modell der "Orion"-Raumkapsel, die Menschen einmal weit ins All bringen soll.

(Foto: dpa)

Das Europäische Servicemodul (ESM) fertigt Airbus Defence and Space im Auftrag der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. Das ESM-Modul soll bei möglichen "Orion"-Flügen zum Mond oder zum Mars eine zentrale Rolle spielen: Es sorgt für den Antrieb sowie die Energieversorgung und die Lagerung wichtiger Versorgungsgüter wie Wasser und Sauerstoff. Das Antriebs- und Versorgungsmodul ist zylinderförmig und weist einen Durchmesser von etwa vier Metern auf.

Die nackte Struktur des Service-Moduls steht bereits seit Ende April im Bremer Werk bereit. In den nächsten Wochen sollen auch die vielen Tausend Komponenten von den Zulieferern eintreffen. Im Reinraum werden dann 30 bis 40 Techniker - in drei Schichten rund um die Uhr - alles montieren. Eine millimetergenaue Maßarbeit, die die Ingenieure bisher nur mit einer 3D-Brille an einem Computermodell testen konnten.

2021 könnten wieder Menschen zum Mond

Das Servicemodul ESM basiert auf der Technologie des europäischen Versorgungsfrachters ATV (Automated Transfer Vehicle) für die ISS, der die Besatzungen der Raumstation regelmäßig mit Versuchsausrüstungen, Ersatzteilen, Nahrungsmitteln, Luft und Wasser versorgte. Der letzte der insgesamt fünf automatischen ATV-Raumfrachtern war Anfang 2015 bei der Rückkehr von der ISS planmäßig in der Erdatmosphäre verglüht.

2018 soll "Orion" zu einem ersten Testflug ins All starten, der die Kapsel 64.000 Kilometer über den Mond hinaus führen wird. Ein Meilenstein selbst für die Nasa: So weit sei noch nie ein für Menschen vorgesehenes Raumschiff ins All vorgedrungen, sagt Jim Free, der bei der Nasa für die bemannte Raumfahrt zuständig ist. Glückt die dreiwöchige Mission, könnten bereits drei Jahre später Astronauten mit "Orion" zum Mond fliegen.

Im Zuge ihres legendären Apollo-Programms hatte die Nasa zwischen 1969 und 1972 sechs Mondlandungen erfolgreich absolviert und dabei zwölf Astronauten auf den durchschnittlich gut 384.000 Kilometer entfernten Mond und wieder zurück zur Erde gebracht. Bemannte Raumflüge zu Zielen weit weg von Erde gab es seither nicht mehr - die Missionen der vergangenen Jahrzehnte führten die Raumfahrer vielmehr in Raumstationen auf Umlaufbahnen um die Erde.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa/AFP

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