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Mehr Abholzung am Atlantik, weniger am Amazonas Brasiliens zweifelhafter Umweltschutz

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Knapp die doppelte Fläche des Saarlandes wurde im letzten Messungszeitraum im brasilianischen Inland abgeholzt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Regenwald bedeckte einst 15 Prozent Brasiliens, heute ist es nur noch 1 Prozent. Und die Erfolgsmeldung der brasilianischen Regierung über weniger Rodung der Waldflächen ist mit Vorsicht zu genießen: Während im Landesinneren tatsächlich weniger Bäume fallen, ist vor allem der ökologisch sehr bedeutsame Küstenwald stärker gefährdet denn je.

Brasiliens Regierung hat für das im Inland gelegene Amazonasbecken einen weiteren Rückgang der Regenwaldzerstörung gemeldet. In den Waldgebieten an der Küste nahm die Abholzung hingegen zu. Nach aktualisierten Zahlen wurden von August 2011 bis Juli 2012 insgesamt im Amazonas-Gebiet 4571 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt, wie das Umweltministerium mitteilte. Das ist zwar die niedrigste Rate seit Beginn der regelmäßigen Kontrollen im Jahr 1988, aber die abgeholzte Fläche entspricht noch immer rund 1,8-mal der Fläche des Saarlandes.

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Die wuchernden Städte - hier ein Armenviertel in Rio de Janeiro - zerteilen den Atlantikwald immer stärker.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bereits im November 2012 hatte die Regierung verkündet, dass die Abholzung im Amazonas-Gebiet im genannten Zeitraum auf 4656 Quadratkilometer gesunken und damit um 27 Prozent zum Vergleichszeitraum 2010/2011 zurückgegangen sei. Die routinemäßige Nachprüfung der Satellitenaufzeichnungen habe ergeben, dass dieses Ergebnis noch etwa zwei Prozent besser gewesen sei, sagte Umweltministerin Izabella Teixeira.

Wertvollste Wälder verschwinden immer schneller

Schlechter steht es um den sogenannten atlantischen Regenwald an der Ostküste und auch im Inland Brasiliens. Die wegen ihres überaus großen Artenreichtums bekannte "Mata Atlântica" an der Ostküste gehört zu den am stärksten bedrohten Regenwäldern der Welt. Zwischen 2011 und 2012 wurden in zehn Bundesstaaten 235 Quadratkilometer Waldfläche zerstört. Das seien 29 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2010/2011, teilten die Umweltschutzorganisation SOS Mata Atlântica und das Institut für Weltraumforschung (INPE) bei der Vorlage einer Studie mit. Die Abholzungsrate sei damit die höchste seit 2008, obwohl Brasilien 2006 ein Gesetz zur ausdrücklichen Konservierung der Region verabschiedet hatte.

Die "Mata Atlântica" erstreckte sich einst über die gesamte Ostküste Brasiliens. Heute sind nur noch Reste in 17 Bundesstaaten vorhanden, unter anderem auch in Ballungsgebieten wie Rio de Janeiro und São Paulo. Nur noch rund acht Prozent der ursprünglichen Fläche sind erhalten, auf dem restlichen Gebiet leben heute rund zwei Drittel der Bevölkerung von über 190 Millionen Menschen. Dieser sogenannte "Hot Spot" der Biodiversität ist außerdem ein bedeutender CO2-Speicher und bedeutendes Trinkwasserreservoir für Brasiliens Küstenstädte. Der Artenreichtum des Gebietes ist trotz seiner abnehmenden Größe immernoch höher als der des Amazonasbeckens. Grund dafür sind vor allem die vielen verschiedenen Höhenlagen und starken Regenfälle an der Küste, wodurch eine sehr vielfältige und dichte Flora und auch Fauna ermöglicht werden.

Restlicher Wald gleicht Flickenteppich

Nach Angaben von SOS Mata Atlântica bedeckte der Regenwald früher mit knapp 1,3 Millionen Quadratkilometern rund 15 Prozent des fünftgrößten Landes der Erde. Heute sei es nur noch 1 Prozent. Drei Viertel dieser Restfläche gelten als bedroht. Das geschundene Naturreservat steht heute seit 1999 der UNESCO-Liste der bedrohten Habitate. Die zunehmende Fragmentierung des ehemals zusammenhängenden Waldgebietes macht das Überleben der heimischen Arten in isolierten Waldresten sehr schwierig. So besteht der überwiegende Teil der erhaltenen Waldfläche aus kleinen Teilstücken von weniger als einem halben Quadratkilometer, die oft weit voneinander entfernt liegen. Bedroht wird die Artenvielfalt der "Mata Atlântica" auch nicht nur durch Rodung für Land- und Forstwirtschaft, sondern zudem durch gezielte Jagd und Waldbrände.

Die Abholzung des am Meer gelegenen Waldgebietes ist eng mit der Geschichte Brasiliens verknüpft. Sie begann bereits mit der Ankunft der ersten Europäer kurz nach Beginn des 16. Jahrhunderts und war Grundlage der ersten Handelskolonien. Der Landesname leitet sich gar von dem im dem Regenwald vorkommendem Brasilholz ab. Im Verhältnis zur Fläche ist es deutlich stärker betroffen als das Amazonasgebiet.

Quelle: ntv.de, dpa/bwe

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