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Wahrscheinlich das Higgs-Boson Cern-Forscher finden Teilchen

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Proton kollidiert hier mit Proton. Die Cern-Graphik stellt das zu erwartende Bild dar, das sich beim Zerfall eines Higgs-Boson im Standardmodell ergibt.

(Foto: dapd)

Monatelang suchen die Wissenschaftler des Kernforschungszentrums Cern in einer Experimentenreihe nach dem sogenannten Gottesteilchen. Und offenbar sind sie erfolgreich. Das Ergebnis ihrer Suche bezeichnen sie als vorläufig, aber "sehr überzeugend". Das Higgs-Boson ist damit nachgewiesen - zumindest beinahe.

Physiker haben das jahrzehntelang gesuchte Higgs-Teilchen wahrscheinlich gefunden. Am europäischen Kernforschungszentrum Cern haben sie ein neues Elementarteilchen entdeckt, bei dem es sich nach ihren Angaben um das seit langem fieberhaft gesuchte Higgs-Boson handeln könnte. Um die Sektkorken knallen zu lassen, ist es jedoch noch zu früh. Damit sie hundertprozentig sicher sein können, benötigen die Wissenschaftler mehr Daten.

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Seit Monaten werden im 27 Kilometer langen Ringtunnel des Cern Protonen aufeinander geschleudert. Nun finden Forscher dabei ein Teilchen. Das Gottesteilchen?

(Foto: dpa)

Doch schon die jüngsten Ergebnisse lassen Experten ins Schwärmen geraten: "Was sich hier anbahnt, ist für mich bisher die Entdeckung des Jahrhunderts", sagt Joachim Mnich, Forschungsdirektor des Deutschen Elektronen-Synchrotrons Desy. "Am deutlichsten überzeugt mich, dass wir in den zwei unabhängigen Datensätzen aus dem letzten und aus diesem Jahr das gleiche Signal sehen, und das konsistent in beiden Experimenten, Atlas und CMS."

Die Ergebnisse seien vorläufig, aber ein 5-Sigma-Signal im Bereich um 125 GeV, das zu sehen ist, sei drastisch, so die Cern-Forscher. "Es ist schwer, nicht aufgeregt zu werden bei diesen Ergebnissen", sagt Forschungsdirektor Sergio Bertolucci.

"Tür in eine neue Welt"

Auch Bernhard Spaan von der Technischen Universität Dortmund zeigt sich begeistert: "Mit dieser bedeutenden Beobachtung wird vielleicht die Tür in eine neue Welt der Teilchenphysik aufgestoßen", sagt Spaan. Er ist Vorsitzender des deutschen Komitees für Elementarteilchenphysik.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) gratulierte den Wissenschaftlern in Genf zur Entdeckung eines neuen Teilchens. "Die Suche nach dem Higgs-Teilchen hat nun fast 50 Jahre gedauert, aber nun könnte die Entdeckung gelungen sein. Die Ausdauer und Neugier der Wissenschaftler wurde belohnt."

Gottesteilchen festigt Materie-Modell

Das Higgs-Boson, das auch "Gottesteilchen" genannt wird, spielte nach herrschender Teilchentheorie eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Universums nach dem Urknall. Das nach dem britischen Physiker Peter Higgs benannte Teilchen sorgt demnach dafür, dass alle Objekte eine Masse haben. Der heute 83-jährige Higgs hatte die Existenz des Teilchens 1964 vorhergesagt. "Ich  habe nie erwartet, dass das noch zu meinen Lebzeiten passiert. Ich  sollte meine Familie bitten, eine Flasche Champagner  kaltzustellen", äußerte sich der zurückhaltende britische Physiker nun zur jüngsten Entdeckung.

Für die Wissenschaftler ist das Higgs-Boson das letzte noch fehlende - aber absolut zentrale - Elementarteilchen, um das Standardmodell der Materie zu begründen. Würde es nicht existieren, stünde das gesamte seit Jahren die Physik beherrschende Theoriemodell infrage. Bei der Suche nach dem Higgs-Teilchen werden seit Monaten am Cern an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz in dem 27 Kilometer langen Ringtunnel des Teilchenbeschleunigers LHC Protonen aufeinander geschleudert.

Quelle: ntv.de, rts