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Urzeit-Massengrab in Mexiko Deutsche erforschen Super-Dino-Friedhof

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Auch Tyrannosaurier lebten nahe der Fundstelle. (Replik im Woodland Park Zoo in Seattle)

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In der Wüste Mexikos finden Forscher einen einzigartigen Dinosaurier-Friedhof. Deutsche Wissenschaftler legen dort Knochen der noch immer rätselhaften Urzeit-Riesen frei. Sie erklären, warum sich so viele Tiere in der kargen Landschaft tummelten.

Die mexikanische Sonne brennt gnadenlos auf die deutschen Dinosaurier-Forscher herab. Doch was sie hier in der Wüste erwartet, lohnt die Mühen. Bei weit über 40 Grad legen der Paläontologe Eberhard Frey und Studenten der Universität Heidelberg die Knochen eines Hadrosauriers frei. Zum Schluss pinseln sie vorsichtig Erde und Staub von den Überresten des Pflanzenfressers aus der Kreidezeit. Nach und nach kommen ein Schienbein, Oberschenkel- und Beckenknochen sowie Wirbel zum Vorschein. Eine mühsame, tagelange Arbeit in brütender Hitze nähert sich ihrem Ende.

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Paläontologe Eberhard Frey (l.) und ein Student bedecken eingegipste Dinosaurierknochen mit Schutt, um sie vor der Witterung zu schützen.

(Foto: dpa)

Die Coahuila-Wüste nahe Saltillo im Nordosten von Mexiko ist ein unwirtlicher Ort. Auf dem steinigen Boden wachsen Kakteen und Sträucher, der ständige Wind bläst den Staub über die Hochebene. So trocken und karg wie jetzt, so fruchtbar war die Gegend vor rund 70 Millionen Jahren. "Hier war ein riesiges Delta, in dem mehrere Flüsse in den Golf von Mexiko mündeten", sagt Frey. "Es gab ein sehr aktives Ökosystem. Wir haben nicht nur Dinosaurierknochen gefunden, sondern auch vier verschiedene Schildkrötenarten, Überreste sehr kleiner Krokodile und Zähne von frühen Säugetieren", so der Forscher vom Naturkundemuseum Karlsruhe.

Auf einem kleinen Gebiet von nur 50 mal 200 Metern haben die deutschen Wissenschaftler und ihre mexikanischen Kollegen vom Wüstenmuseum in Saltillo Knochen von 14 Dinosauriern entdeckt. Wenige Kilometer entfernt fanden sie die Skelette weiterer 15 Tiere. "Ich kenne keine Fundstelle, an der man so eine Menge an Dinosauriern auf einer so kleinen Fläche findet", sagt Professor Wolfgang Stinnesbeck von der Universität Heidelberg.
Nicht weit von der Ausgrabungsstelle entfernt haben Raubsaurier tiefe Fußabdrücke hinterlassen.

Drei Zähne gefunden

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Der Geologe Hector Rivera Sylva vom Wüstenmuseum in Saltillo zeigt Wirbelknochen eines Dinosauriers an der Fundstelle nahe der Ortschaft Porvenir de Jalpa.

(Foto: dpa)

Acht riesige Theropoden - zu denen auch der bekannte Tyrannosaurus rex gehört - preschten in Las Águilas einst durch den Morast. "In dieser Woche haben wir drei Zähne von Theropoden gefunden", berichtet Frey. Eine rund zweistündige Autofahrt entfernt nahe der Siedlung Paredon studieren die Wissenschaftler die sogenannte Kreide-Tertiär-Grenze. An Bruchstellen in der Landschaft lässt sich der Übergang zwischen den beiden Erdzeitaltern in den Bodenschichten erkennen. Dort finden sich Ammoniten, Schnecken, Krebse und Schildkrötenpanzer.

Vor rund 65 Millionen Jahren verschwanden zahlreiche Arten, darunter auch die Dinosaurier. Was das Massensterben ausgelöst hat, ist eine kontrovers diskutierte Frage in der Forscherszene. Die möglichen Ursachen reichen von starken Vulkanausbrüchen bis zum Einschlag eines Meteoriten im Chicxulub-Krater auf der Halbinsel Yucatán. "Ich gehe hingegen von einem graduellen Prozess aus", sagt Stinnesbeck. "Dafür spricht, dass der Einschlag etwa 300.000 Jahre vor der Kreide-Tertiär-Grenze liegt." Während in der Kreidezeit ein regelrechtes Treibhausklima herrschte, seien die Temperaturen in den letzten fünf Millionen Jahren dieser Epoche kontinuierlich gefallen. Vielen Lebewesen sei es noch gelungen, sich an diese Klimaveränderung anzupassen. "Dann aber stieg die Temperatur plötzlich wieder an. Das könnte zu dem Massenaussterben geführt haben", erklärt Stinnesbeck.

An der Fundstätte Las Águilas haben die Heidelberger Studenten und Freys Mitarbeiter vom Naturkundemuseum Karlsruhe die Dinosaurierknochen mittlerweile an der Oberfläche vollständig freigelegt. Sie bedecken die Fundstücke mit Alufolie und gipsen sie schließlich ein. Dann wird die Grabungsstelle zugeschüttet, um die Knochen vor der Witterung zu schützen. Auch wenn die bürokratischen Mühlen langsam mahlen, ist Frey zuversichtlich, auf dem Dinosaurier-Friedhof noch so manchen spektakulären Fund zu machen: "Unsere Ergebnisse sind sehr vielversprechend, eine umfangreiche Grabung hier würde sich auf jeden Fall lohnen."

Quelle: ntv.de, Denis Düttmann, dpa