Wissen

Erkrankung mit Spätfolgen Diabetes steigert Risiko einer Behinderung

40388015 (1).jpg

Laut Deutscher Diabetes Gesellschaft ist die Krankheit "sehr gut behandelbar, viele Risiken sind vermeidbar."

(Foto: picture alliance / dpa)

Millionen Deutsche leiden an Diabetes. Oft wird die Krankheit banalisiert, dabei ist die Wahrscheinlichkeit einer Folgeerkrankung hoch. Ergebnisse einer aktuellen Großstudie zeigen, dass im Alter das Risiko einer Behinderung durch die Stoffwechselkrankheit dramatisch steigt.

Diabetiker haben einer großangelegten Studie zufolge ein sehr hohes Risiko, im Alter körperliche Behinderungen zu erleiden. Im Vergleich zu Menschen ohne Zuckerkrankheit liege die Gefährdung um etwa 50 bis 80 Prozent höher, schreiben australische Wissenschaftler im Fachmagazin "The Lancet Diabetes & Endocrinology". Deutsche Experten bestätigen die Tendenz und warnen vor einer Banalisierung der Zuckerkrankheit.

Als Kriterien für Behinderungen werteten die Forscher des Baker IDI Heart and Diabetes Institute in Melbourne in der Übersichtsstudie etwa eingeschränkte Mobilität oder Schwierigkeiten bei alltäglichen Tätigkeiten wie Essen, Telefonieren, Einkaufen oder Baden. Um das Risiko für solche Spätfolgen zu klären, werteten sie 26 Einzelstudien aus, die den Bezug zwischen Diabetes und körperlichen Defiziten analysierten.

Ursachen unbekannt

Warum genau Diabetes die Gefährdung so sehr steigert, wissen die Forscher nicht. Sie vermuten jedoch, dass dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte chronische Entzündungen an Muskeln auslösen und so körperliche Behinderungen nach sich ziehen können. "Einige Studien zeigen, dass Diabetes mit schnellem und zunehmendem Muskelschwund verbunden ist", sagt Studienleiterin Anna Peeters laut einer Pressemitteilung der Zeitschrift.

Die Untersuchung unterscheidet allerdings nicht zwischen Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2. An den meisten Studien nahmen jedoch Menschen über 65 Jahre ein. In diesem Alter herrscht der Typ 2 vor.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft wertet die Studie als "Fleißarbeit". Die hohen Risiken für Folgeerkrankungen bei Diabetes seien bekannt. "Den Ruf der großen Zahl sollte man nicht überbewerten", sagt Sprecher Andreas Fritsche. Dennoch sei die Studie wichtig, weil die Gefahr der schweren Langzeitfolgen in der Diskussion oft untergehe. "Diabetes ist kein Lifestyle-Problem, sondern eine schwere Erkrankung, die einen Menschen in körperliche Behinderung stürzen kann", ergänzte Fritsche. "Das wird zu oft banalisiert". Durch dieses Herunterspielen werde die Zuckerkrankheit manchmal nicht behandelt. "Dabei ist sie sehr gut behandelbar, viele Risiken sind vermeidbar."

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema