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Küstenseeschwalben in Nordfriesland Die Brut der Rekordflieger

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Ein Mädchen beobachtet in der Nähe des Eidersperrwerkes bei Tönning hier brütende Möwen und Küstenseeschwalben.

(Foto: dpa)

Weiter als Küstenseeschwalben fliegen keine anderen Zugvögel weltweit. Am größten Küstenschutzbauwerk Deutschlands können Beobachter ihnen näher kommen als an vielen anderen Brutplätzen. Vorsicht ist aber geboten: Bei zu viel Nähe kann Blut fließen.

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Die zurzeit hier brütende Kolonie der etwa taubengroßen Schwalben ...

(Foto: dpa)

Eine Kolonie Küstenseeschwalben hat sich das Eidersperrwerk in Nordfriesland als Kinderstube ausgesucht. Die weiß-grauen Vögel mit den schwarzen Kappen und knallroten Schnäbeln ziehen ihre Küken direkt neben dem Parkplatz von Deutschlands größtem Küstenschutzbauwerk auf. Rund 400 Paare lebten derzeit am Fuße des Eidersperrwerks, heißt es bei der Nabu-Station Katinger Watt. Der ungewöhnliche Nistplatz in unmittelbarer Nähe einer Touristenattraktion sei mittlerweile selbst ein touristischer Anziehungspunkt, erklärt Nationalpark-Ranger Martin Kühn.

Küstenseeschwalben (Sterna paradisaea) sind Rekordflieger: Von allen Zugvögeln weltweit legen sie die längsten Wege zurück - weil sie hauptsächlich in der Nordpolarregion brüten und in der tausende Kilometer entfernten Südpolarregion überwintern. Einzelne der rund 100 Gramm schweren Vögel legen jährlich bis zu 80.000 Kilometer - rund das Doppelte des Erdumfangs - zurück, wie eine Forschergruppe herausfand. Über die extremen Flugdaten der Küstenseeschwalben wurde in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften berichtet.

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... ist mittlerweile zu einer Attraktion für Touristen am Eidersperrwerk geworden.

(Foto: dpa)

Meist suchten sich die etwa taubengroßen Vögel zum Brüten abgelegene Bereiche wie spärlich bewachsene Inseln, Sanddünen oder Kiesbetten, erklärt Kühn. Dort drehen sie mit ihrem Körper eine flache Mulde in den Boden, die sie nur spärlich mit einigen Halmen auskleiden - und sind aus größerer Entfernung kaum mehr auszumachen.

"Kein Problem mit den vielen Menschen"

Am Eidersperrwerk können Besucher die Vögel aus wenigen Metern Entfernung beobachten. Ein Hinweisschild und ein Zaun grenzen das Terrain ab. "Die Vögel haben kein Problem mit den vielen Menschen, solange die hinter der Barriere bleiben", sagt Bernd Haelterlein vom Nationalparkamt in Tönning. Wer die Grenze überschreite, riskiere allerdings wütende Angriffe.

Das hat Mirco Brendal aus Eisenach in Thüringen schmerzhaft erfahren. Der 27-Jährige ist zum "Vogelgucken" nach Schleswig-Holstein gekommen. Gleich am ersten Urlaubstag habe ihn eine Küstenseeschwalbe attackiert, erzählt er. "Es gab aber nur eine Beule." Nicht so viel Glück habe eine andere Urlauberin gehabt, die eine blutende Wunde am Kopf davontrug. Doch das seien Ausnahmen. "Solange man den Abstand zu den Vögeln möglichst groß hält, bleibt der Kopf auch heil", sagt Brendal. "Sie stürzen höchstens mal auf einen herab, drehen jedoch kurz vorher ab, ohne einen wirklich zu berühren."

Die Küstenseeschwalbe ist ein sogenannter Stoßtaucher und stürzt sich auf der Jagd nach Beute mit angelegten Flügeln ins Wasser. Diese Jagdtechnik ist nicht angeboren, sondern muss von den Jungvögeln erlernt werden. Mirco Brendal fasziniert besonders die Geduld der Eltern, wenn sie ihre Küken erstmals ins Wasser locken. "Mit einem Fisch im Schnabel locken sie das Kleine hinter sich her", erzählt er. "Das dauert manchmal Stunden."

Quelle: ntv.de, Wolfgang Runge, dpa