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Zum ersten Mal überhaupt Eine Russin fliegt zur ISS

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Jelena Serowa will hoch hinaus, wörtlich. Hier trainiert sie für ihren Einsatz im All.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Raumfahrt ist in Russland ein Männerberuf. Doch am Donnerstag startet Jelena Serowa ins All. Ihr Ziel: die ISS. Das ist in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit. Noch nie hat eine Russin die Internationale Raumstation betreten.

Erstmals seit 17 Jahren fliegt wieder eine Russin ins All: Wenn Jelena Serowa am Donnerstag abhebt, ist das für die Raumfahrtnation Russland eine ganz besondere Mission. Serowa wird erst die vierte Kosmonautin überhaupt im All sein, zudem betritt sie als erste Russin die Internationale Raumstation ISS, wo Gerst derzeit arbeitet. "Ich freue mich auf den Flug, aber ich spüre auch große Verantwortung", sagt die 38-Jährige. Mit rund 168 Tagen wird es eine der längsten Missionen einer Kosmonautin im Weltraum.

Der Weg zu den Sternen war für Serowa wortwörtlich weit. Ihr Geburtsort Ussurijsk liegt im Fernen Osten des Landes nur ein Stück entfernt von China und Nordkorea. Rund 10.000 Kilometer sind es von dort aus nach Moskau. Zum Vergleich: In die andere Richtung, über den Pazifik, ist es nicht viel weiter zum Hauptquartier der Nasa in Houston im US-Bundesstaat Texas. "Als ich klein war, erfuhren wir in der Schule natürlich von den Erfolgen der sowjetischen Raumfahrt", sagt Serowa der russischen Regierungszeitung. "Ich verliebte mich damals hoffnungslos in den Sternenhimmel - aber dass ich ihm einmal so nahe komme, hätte ich nie geglaubt." 2001 schloss sie ihr Studium in Moskau ab und wechselte zum Raketenbauer Energija. Dort traf sie ihren späteren Ehemann Mark, einen Testflieger. 2006 wurde Jelena in den Kosmonautenkader aufgenommen - als einzige Frau.

Wenige Vorbilder

Auch 53 Jahre nach dem legendären Raumflug von Juri Gagarin, dem ersten Menschen im All, ist in Russland die Reise zu den Sternen fast reine Männersache. "Uns fehlen Kosmonautinnen", klagt Witali Dawydow von der Raumfahrtbehörde Roskosmos. Er räumt ein: "Für raumfahrtinteressierte Russinnen gibt es kaum Vorbilder." Zwar beförderte Moskau seit Gagarins Flug 1961 mehr als 100 Männer ins All - aber nur 3 Frauen. Anders handhaben es die USA, die seit ihrer Premiere 1983 mehr als 45 Frauen in den Orbit geschickt haben.

Dabei war die erste Frau im Weltraum eine Russin. Der Flug von Valentina Tereschkowa am 16. Juni 1963 war für die Sowjetunion auch ein politischer Triumph im Kalten Krieg. Einen "Beweis für die Gleichberechtigung der Geschlechter im Sozialismus" nannte Kremlchef Nikita Chruschtschow den Flug seinerzeit. In der Praxis sah das anders aus: Tereschkowa blieb bis zur Mission von Swetlana Sawizkaja 1982 zwei Jahrzehnte lang die einzige Frau im All. Als bisher letzte Russin flog Jelena Kondakowa in den Kosmos - das war 1997. Für Gagarin waren Raumfahrerinnen "Amazonen des Alls". Der Moskauer Experte Sergej Woronkow meint aber, dass bei vielen Frauen der Kinderwunsch einer Astronauten-Karriere im Weg steht. "Die Ausbildung dauert acht Jahre, das fördert bei Frauen um die 30 sicher nicht das Interesse an diesem Beruf", sagt Woronkow.

Jelena Serowa hat sich den Kinderwunsch erfüllt. Ihre zehnjährige Tochter will aber nicht wie ihre Eltern in die Luft. "Ihr Traumberuf ist Eiskunstläuferin", sagt Russlands nächste Frau im All.
Mit einem Nachtstart von Kasachstan aus wird Serowa mit dem Russen Alexander Samokutjajew und dem US-Amerikaner Barry Wilmore in einer Sojus-Kapsel zum Außenposten der Menschheit in rund 400 Kilometer Höhe fliegen. Trotz aller "Leidenschaft zum Kosmos" habe sie ihre Berufswahl nicht aus romantischen Motiven getroffen, sagt sie. "Mein Mann war drei Jahre vor mir im Kosmonautenkader, und ich konnte genau prüfen, ob ich so etwas auch tun möchte", erzählt Serowa. Sie habe gewusst, worauf sie sich einlasse. "Ich habe so lange dafür trainiert. Jetzt wird es Zeit, dass es endlich losgeht."

Quelle: ntv.de, Wolfgang Jung, dpa