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Je saftiger, desto ruhiger Fleisch wirkt deeskalierend

Steigert der Anblick von Fleisch unser Aggressionspotenzial? Für Evolutionstheoretiker ist diese Frage keinesfalls abwegig, war Fleisch doch die Grundlage des täglichen Überlebenskampfes unserer Vorfahren. Ein Psychologe aus Montreal sucht nach der Antwort und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis.

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Selbsttest für den Leser.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Für ein gutes Steak würde ich töten." Drohungen wie diese entlocken uns für gewöhnlich nur ein müdes Lächeln. Dabei klingt es gar nicht mal so abwegig: Hin und wieder stößt ja jeder auf seine animalische Seite. Und ein Blick in die Tierwelt lässt nichts Gutes erahnen. Steigt unser Puls also, wenn wir vor den Schautafeln von McDonalds und Co stehen?

Nach Frank Kachanoff tut er dies nicht – zumindest nicht aus Gründen der Aggressivität. Der Psychologe der McGill Universität von Montreal hat herausgefunden, dass der Anblick von Fleisch das Aggressionspotential des Menschen deutlich senkt.

Fleisch ist keine Waffe

"Inspiriert haben mich Studien, die gezeigt haben, dass der Anblick bestimmter Gegenstände – zum Beispiel von Waffen – ein aggressives Verhalten wahrscheinlicher machen kann", so Kachanoff. "Waffen werden mit Aggression assoziiert. Ich wollte aber wissen, ob auch eine angeborene Veranlagung eine aggressive Reaktion herbeiführen kann." Dabei erwartete der Psychologe ein positives Ergebnis und begründete seine Vermutung mit der Evolutionstheorie – schließlich war Fleisch für unsere Vorfahren ein hart umkämpftes Gut.

Konfrontiert mit einer Vielzahl von Fotos durften 82 männliche Probanten ihre sadistische Ader ausleben und ein Gegenüber mit verschiedenartig "schmerzhaften" (und glücklicherweise fiktiven) Lauten bestrafen wann immer dieser eine Aufnahme falsch einsortierte. Einige der Fotos zeigten fertige Fleischspeisen und ein Fehler beim Sortieren hätte laut Kachanoffs ursprünglicher Vermutung eine härtere Strafe zur Folge haben müssen. Tatsächlich blieb diese aus. Die Probanten schienen ein Missgeschick gar weniger übel zu nehmen.

Und trotzdem sieht Frank Kachanoff die Evolutionstheorie nicht entkräftet. Vielmehr sei alles eine Frage des Blickwinkels: "Im Nachhinein betrachtet macht es Sinn, dass der Anblick von Fleisch unsere Vorfahren milde stimmte – schließlich war dieser gleichbedeutend mit einer Mahlzeit im Kreise von Freunden und Familie."

Quelle: n-tv.de, mkr

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