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Grand Canyon unter Eis der Antarktis Forscher finden riesigen Graben

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In der Region, in der der Graben entdeckt wurde, hielten sich zuletzt im Jahr 1961 Wissenschaftler auf.

dapd

Forscher kommen dem Geheimnis der Polarschmelze ein Stück näher. Sie finden unter der Eisdecke des Südpols einen riesigen Graben, der die Ausmaße des Grand Canyon hat. Er verbindet die West-Antarktis mit dem wärmeren Meer. So schmilzt hier das Eis schneller ab als andernorts. Was hier zu Meerwasser wird, macht rund ein Zehntel des Anstiegs weltweit aus.

Forscher haben unter der Eisdecke der Antarktis einen Graben von der Größe des Grand Canyons entdeckt. Dieser sei 1,5 Kilometer tief, zehn Kilometer breit und hundert Kilometer lang, sagte der britische Gletscher-Experte Robert Bingham. Den Wissenschaftlern zufolge trägt der per Radar entdeckte Canyon zum Schmelzen der Eisdecke in der westlichen Antarktis bei - damit ist er mitverantwortlich für etwa zehn Prozent des Meeresspiegelanstiegs, durch den in einigen Generationen zahlreiche Küstenstädte überflutet werden könnten.

Die Ausmaße des Canyons habe die Forscher "überrascht", sagte Bingham weiter. Das unter dem Eis gelegene Tal habe bereits lange bevor sich das Eis bildete existiert. Es sei davon auszugehen, dass der Graben Teil eines weitreichenderen Canyon-Systems in der westlichen Antarktis sei. Der Canyon sei nur mit Hilfe eines Radars zu entdecken gewesen. Die Region war zuletzt vor mehr als 50 Jahren im Jahr 1961 von Wissenschaftlern aufgesucht worden.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass die schmelzende Eisdecke der westlichen Antarktis für etwa zehn Prozent des steigenden Meeresspiegels verantwortlich ist. Die Eisdecke schmilzt schneller als alle anderen Teile der Antarktis. Die Beschaffenheit des jetzt entdeckten Grabens trage dazu bei, dass die Region anfälliger für die Schmelze sei. Durch eine Senke im Canyon kann demnach warmes Meerwasser ins Landesinnere fließen und das Eis angreifen. Diese Entdeckung zeigt den Forschern zufolge, dass die Eisschmelze nicht nur auf moderne Klimafaktoren, sondern auch auf geologische Phänomene zurückzuführen ist.

Quelle: n-tv.de, AFP

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