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Das Gedächtnis: Hier dargestellt von der Künstlerin Katharine Dowson.
Das Gedächtnis: Hier dargestellt von der Künstlerin Katharine Dowson.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 21. Mai 2013

Methode der Erinnerungsfälschung: Gedächtnis lässt sich manipulieren

Die Implementierung von Erinnerungen: Was an den Science-Fiction-Streifen "Total Recall" erinnert, beschäftigt derzeit ein Forscherteam aus den USA. Laut ihren Erkenntnissen lassen sich sogar fest verankerte Gedächtnisinhalte gezielt verändern. Besonders in der Psychotherapie könnte dies von Nutzen sein.

Erinnerungen können beim Menschen selbst dann noch manipuliert werden, wenn sie schon fest verankert sind. Wie US-Forscher in einer Studie zeigen, lassen sich Details von Gedächtnisinhalten verändern, wenn diese abgerufen und neu abgespeichert werden. Dies berichten die Wissenschaftler der Iowa State University in Ames (US-Staat Iowa) in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften. Diese Erkenntnis könnte etwa bei der Therapie der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) helfen.

Die Psychologen Jason Chan und Jessica LaPaglia untersuchten die Zuverlässigkeit des sogenannten deklarativen Gedächtnisses, das persönliche Erinnerungen oder gelernte Fakten umfasst. Dass neue Gedächtnisinhalte zunächst noch sehr labil sind, war bereits bekannt. Sie müssen erst im Gedächtnis gefestigt werden, bevor sie wirklich "hängenbleiben" – Fachleute sprechen von Konsolidierung. Bevor etwas Gelerntes konsolidiert ist, kann es leicht wieder gelöscht werden.

Ganz ähnlich lassen sich aber auch alte Gedächtnisinhalte löschen oder verändern, wenn sie erinnert werden. Sie werden durch das Abrufen erneut labil und müssen "rekonsolidiert" werden, um erneut im Gedächtnis fest verankert zu werden. Das war bisher allerdings vor allem aus Tierversuchen bekannt, beim Menschen gab es dazu kaum Untersuchungen.

Chan und LaPaglia spielten nun freiwilligen Probanden einen fiktiven Film vor, in dem es um einen terroristischen Überfall ging. Nach einiger Zeit riefen die Forscher bei den Probanden die Erinnerung an den Film wach, indem sie sie Fragen dazu beantworten ließen. Dann hörten die Versuchspersonen eine mündliche Zusammenfassung des Films, in dem einige Details verfälscht waren. So erfolgte zum Beispiel ein Angriff auf eine Stewardess nicht mehr mit einer Spritze, sondern mit einer Betäubungswaffe.

Falschinformationen übernommen

Spätere Befragungen zeigten, dass die Probanden die Falschinformation übernommen hatten. Dies funktionierte selbst dann noch, wenn zwei Tage zwischen dem Bilden des eigentlichen Gedächtnisses und dem Wiedererinnern lagen. Allerdings mussten die falschen Informationen kurz nach der Erinnerung geliefert werden – also während die Gedächtnisinhalte wieder in einem labilen Zustand waren.

Ihre Methode liefere einen nicht-invasiven Ansatz, um unerwünschte Erinnerungen abzuschwächen, schreiben die Forscher. Menschen seien offenkundig genau darin ziemlich schlecht. Bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen etwa habe der Versuch, schlechte Erinnerungen zu unterdrücken oft den gegenteiligen Effekt. Therapeutische Ansätze, die damit arbeiteten, solche Erinnerungen aufzurufen und umzuinterpretieren, seien hingegen viel erfolgreicher.
Erkenntnisse darüber, wie Erinnern und Gedächtnis funktionieren, sind auch wichtig, wenn es darum geht, die Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen zu bewerten.

Quelle: n-tv.de