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Wenn das Haar schütter wird "Geheimratsecken müssen nicht sein"

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Prinz William hat sichtbar schütteres Haar, obwohl er erst 28 Jahre alt ist. Der sieben Jahre ältere David Beckham dagegen präsentiert sich mit voller Mähne.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jeder zweite Mann ist vom erblichen Haarausfall – fachsprachlich als androgenetische Alopezie bezeichnet - betroffen. Die meisten von ihnen leiden sehr, wenn sie bemerken, dass ihr Haar schütter wird und die Geheimratsecken wachsen. In ihrer Verzweiflung greifen viele Männer zu Mitteln aus der Apotheke oder dem Internet. Ob und welche davon wirklich für den Erhalt der Haare nützlich sind, erklärt Professor Dr. Hans Wolff, Leiter der Haarsprechstunde der Dermatologischen Universitätsklinik München, im Gespräch mit n-tv.de.

n-tv.de: Der erblich bedingte Haarausfall ist weit verbreitet. Wann wissen Männer denn, dass sie davon betroffen sind?

Hans Wolff: Das hängt von der genetischen Veranlagung ab. Es gibt bereits im Alter von 15 bis 16 Jahren junge Männer, die sogenannte Geheimratsecken oder eine diffuse Lichtung am Oberkopf bemerken. Weil die Betroffenen oft Väter oder auch Mütter mit entsprechenden Haarproblemen haben, stellen sie relativ oft bei sich selbst die richtige Diagnose.

Der allmähliche Verlust der Haare ist ein gravierender Einschnitt für Betroffene. Kann man denn etwas dagegen tun?

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Prominente wie der Schauspieler Bruce Willis ...

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Mehrzahl der Männer ist mit dem Haarausfall und der damit einhergehenden äußerlichen Veränderung unzufrieden. Wenn man etwas dagegen tun möchte, sollte man möglichst zu Beginn des Haarausfalls einen Dermatologen aufsuchen, denn die kennen die wirklich wirksamen Mittel.

Welche sind das denn?

Zuerst einmal muss ich leider sagen, dass fast alles, was in Drogerien, Apotheken oder im Internet angeboten wird , wirkungslos ist. Die Ausnahme bilden zwei Wirkstoffe. Der erste ist Minoxidil, es wird als Tinktur örtlich auf den Kopf aufgetragen. Minoxidil wurde lange zur Therapie von Bluthochdruck eingesetzt und zeigte als Nebeneffekt verstärkten Haarwuchs. Das Präparat ist ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Und das zweite Mittel?

Das zweite Mittel ist eine Tablette, die den Wirkstoff Finasterid enthält. Diese ist rezeptpflichtig, wird aber für Betroffene vom Dermatologen verschrieben.

Wie wirken denn die Präparate?

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... oder der frühere Tennis-Star Andre Agassi haben die Glatze salonfähig gemacht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Finasterid senkt die Bildung eines ungünstigen männlichen Sexualhormons, das sogenannte Dihydrotestosteron oder DHT. Dieses wird durch die Einnahme von Finasterid um ungefähr 70 Prozent gesenkt. Wesentlich bei diesem Vorgang ist, dass das günstige Testosteron, also das Vorläuferprodukt, dagegen nicht abgesenkt wird. Aus diesem Grund haben auch 98 Prozent aller Männer keinerlei Nebenwirkungen. Bei den restlichen zwei Prozent ist eine Schwächung oder Störung der Potenz als Nebenwirkung durchaus möglich. Bei der äußerlich anzuwendenden Minoxidil-Lösung gibt es diese Art von Nebenwirkungen nicht. Das Minoxidil wirkt nämlich nicht hormonell, sondern an verschiedenen Aspekten des Haarwachstums. Zum Beispiel werden die Mikrodurchblutung und der Zellstoffwechsel der Haarwurzel wesentlich verbessert. Alle Wirkungen von Minoxidil summieren sich dann zu einem durchaus sehenswerten Ergebnis.

Was genau meinen Sie mit einem sehenswerten Ergebnis?

Das primäre Ziel der Behandlung ist der Stopp des Haarausfalls. Er wird bei etwa 90 Prozent der Anwender erreicht. Dazu kommt, dass bei etwa 50 Prozent der Männer sogar eine sichtbare Verdichtung der Haare festzustellen ist. Dieses Studienergebnis hat sogar mich überrascht.

Heißt das, dass die Haare tatsächlich neu wachsen?

Nein, die dichter erscheinenden Haare entstehen, weil die vorher verkleinerten Haarwurzeln durch die Behandlung wieder kräftiger werden. Eine gekräftigte Haarwurzel ist so wieder in der Lage, ein Flaumhärchen in ein normales Haar umzuwandeln .

Wie lang muss denn so eine Behandlung dauern, damit sie langfristig Erfolg hat?

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Der Schauspieler und Comedian Christoph Maria Herbst musste sich für eine Rolle 2005 das Kopfhaar stutzen lassen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Therapie wirkt nur so lange, wie sie konsequent angewendet wird. Witzbolde behaupten, die Therapie solle solange angewendet werden, bis man seine Traumfrau eingefangen hat. Dann könne man die Therapie wieder absetzen. Männer, die Wert auf den Erhalt ihrer Haare legen, sollten also dauerhaft die Präparate benutzen.

Wer zahlt denn die Therapie?

Beide Präparate müssen aus eigener Tasche bezahlt werden, denn erblich bedingter Haarausfall ist keine Krankheit. Männer, die ihre Haare behalten wollen, müssen eben investieren. Die Behandlungskosten sind allerdings nicht so hoch. Sie betragen bei der Lösung etwa fünfzig Cent, und bei der Tablette rund einen Euro pro Tag.

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Heute ist er bekennender Glatzenträger.

(Foto: picture alliance / dpa)

Machen die gut wirksamen Präparate eine Haartransplantation überflü ssig?

Wenn man damit früh genug beginnt, kann man mit diesen Mitteln eine Haartransplantation in den meisten Fällen verhindern. Wenn allerdings schon viele Haare fehlen, dann kann mit einer Eigenhaartransplantation das Erscheinungsbild deutlich verbessert werden. Aber man muss sehr sorgfältig das Institut auswählen, in dessen Hände man sich begibt. Ich habe in meiner Praxis schon sehr schöne Ergebnisse gesehen, bei denen nur ich als Fachmann erkenne, dass eine Haartransplantation vorgenommen worden ist. Allerdings habe ich auch Männer gesehen, bei denen die transplantierten Haare wie Schilfinseln auf der Glatze aussehen.

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Wolff leitet die Haarsprechstunde der Dermatologischen Universitätsklinik München.

Wann genau sollte denn die Behandlung gegen H aarausfall beginnen?

Die meisten Männer haben keinen verstärkten Haarausfall, sondern stellen eher fest, dass ihre Haare lichter oder die sogenannten Geheimratsecken größer werden. Dann sollte relativ schnell ein Dermatologe aufgesucht werden, denn jedes bereits ausgefallene Haar ist verloren. Aber auch Männer mit starkem oder kreisrundem Haarausfall, stark juckender Kopfhaut oder anderen Beschwerden im Bereich der Haare sollten den Dermatologen aufsuchen, denn manchmal steckt auch eine andere Haarerkrankung als der genetisch vorbestimmte Haarausfall hinter den Symptomen.

Mit Hans Wolff sprach Jana Zeh

Quelle: n-tv.de

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