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"Halb voll" oder "halb leer"? Gen ist Schuld

Menschen mit einem verkürzten Gen für den Transporter des Hormons Serotonin sehen die Welt tendenziell negativ. Träger der langen Variante nehmen hingegen eher die Sonnenseiten des Lebens wahr. Das haben Elaine Fox und ihre Kollegen von der Universität Essex (Großbritannien) herausgefunden.

Spinnen und Schokolade

Die Psychologen testeten mit einem standardisierten Verfahren, ob ihre 97 Probanden ihre Aufmerksamkeit eher positiven oder eher negativen Bildern zuwandten. Dazu wurden jeweils Bildpaare präsentiert – entweder ein neutrales und ein positives (zum Beispiel Schokolade) oder ein neutrales und ein negatives Bild (etwa Spinnen). Zudem enthüllte ein Gentest, ob die Versuchspersonen eine verkürzte oder normal lange Genvariante des Hormon-Transporter-Gens besaßen.

In diesen Versuchen nahmen Menschen, die von Vater und Mutter jeweils die lange Variante des Gens geerbt hatten, ein zur Hälfte gefülltes Glas eher als "halb voll" denn als "halb leer" wahr. Die Träger der kurzen Variante hingegen fehlte diese "positive Voreingenommenheit" oder "der Blick auf die Sonnenseite des Lebens" hingegen, ergänzt Fox.

Voreingenommenheit für Negatives

Ihren Angaben nach unterscheiden sich Menschen grundsätzlich in ihrer Wahrnehmung der Wirklichkeit. Damit einher geht die Anfälligkeit für emotionale Störungen, erklärt Fox. Wer vorzugsweise positive Informationen verarbeite, fühle sich oft besser und habe bessere soziale Kontakte. Eine Voreingenommenheit für Negatives deute eher auf Anfälligkeit für Ängstlichkeit und Neurosen hin. Eine Tendenz, negative Eindrücke zu meiden – indem die Aufmerksamkeit auf Positives gelenkt wird – könnte mit seelischer Gesundheit und Wohlbefinden einhergehen.

Veränderungen im Serotonin-Transporter-Gen sind seit vielen Jahren bekannt, auch wurde vielfach bereits ein Einfluss der verkürzten Varianten auf seelische Gesundheit diskutiert. Nun sei aber erstmals gezeigt, dass sich die Träger der langen Variante nachweislich eher positiven Bildern zuwenden, und zudem negatives Material mieden. Dieses Vermeiden zeigte sich bei den Trägern der verkürzten Genvariante nicht. Das Vermeidungsverhalten sei ein Kern-Mechanismus bei der Reaktion auf Stress.

Quelle: n-tv.de