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Mutterkorn am Nordseestrand Giftiger Parasit entdeckt

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Das Schlickgras ist eigentlich nicht in Europa heimisch, wurde aber in England und den Niederlanden zur Küstenbefestigung angebaut.

Sie finden ihn, wo sie ihn nicht vermutet haben: Im Schlickgras an der Nordseeküste stoßen Botaniker auf einen hochgiftigen Pilz, der sonst Roggen befällt: das Mutterkorn. In der Landwirtschaft stellt der gefürchtete Parasit keine Gefahr mehr dar. Doch im Schlickgras an der Küste ist er kaum einzudämmen - und noch dazu besonders giftig.

Eigentlich wollten sie nur Saatgut für ein Botanik-Forschungsprojekt an der Nordseeküste sammeln. Doch als die Wissenschaftler vom Institut für Botanik der Leibniz Universität Hannover am Jadebusen unterwegs waren, machten sie eine erstaunliche Entdeckung. Fast überall in den Rispen des dort wachsenden Schlickgrases fanden sie violett-schwarz schillernde sporenartige Gebilde: Mutterkorn.

Der Pilz befällt normalerweise Roggen und andere Getreidepflanzen und ist hochgiftig. Im Mittelalter war die Mutterkorn-Vergiftung, das sogenannte Antoniusfeuer, mit geistiger Verwirrung und zum Tode führenden Organschäden extrem gefürchtet. Heute besteht durch das Sieben von Getreide in der konventionellen Landwirtschaft keine Gefahr mehr.

Giftiger als das Roggen-Mutterkorn

Dass Mutterkorn auch Schlickgras besiedelt, war den Forschern bislang nicht bekannt. Um das Ausmaß des Befalls genauer abschätzen zu können, fuhren sie die gesamte Wattenmeerküste von den Niederlanden bis nach Dänemark ab und untersuchten die Schlickgras-Bestände. Tatsächlich fanden sich überall in den Rispen die Überwinterungsorgane des Pilzes, sogenannte Sklerotien - und zwar deutlich mehr, als sonst auf Roggen zu finden sind. Gemeinsam mit Biologen der Stiftung Tierärztliche Hochschule untersuchten die Wissenschaftler, wie giftig das Schlickgras-Mutterkorn tatsächlich ist. "Es kam heraus, dass die Konzentrationen der giftigen Mutterkorn-Alkaloide sogar höher waren als beim Roggen-Mutterkorn", berichtet Professorin Jutta Papenbrock. "Mehrere der Sklerotien können ein Kleinkind töten."

Schlickgras ist zäh

Sorgen bereitet den Forschern, dass das Schlickgras, das eigentlich nicht in Europa heimisch ist, aber zur Küstenbefestigung in England und den Niederlanden angebaut wurde, inzwischen fast überall an der Küste bis hoch an die Deiche wächst. Schafe, aber auch Kinder oder Hunde könnten gefährdet sein. Da sich die Sklerotien erst im Herbst entwickeln, seien immerhin die Sommermonate relativ gefahrenfrei. "Allerdings haben wir festgestellt, dass das Gift kaum abgebaut wird", berichtet Papenbrock.

Die zuständigen Ämter und die Nationalparkverwaltung wurden bereits informiert. Um die Ausbreitung von Schlickgras zu stoppen, müsse man Experten mit ins Boot holen, die sich mit invasiven Arten beschäftigen und auch international zusammenarbeiten, so Papenbrock. In Deutschland sei dieser Fund der erste, aber aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich gebe es ähnliche Meldungen. Bisherige Bemühungen, Schlickgras durch Mähen oder Verbrennen einzudämmen, blieben weitgehend erfolglos.

Quelle: ntv.de, asc