Junge wachsen in der BrusttascheGrasnadeln verdauen Nachwuchs
Die mit den Seepferdchen verwandten Grasnadeln haben eine besondere Art der Brutpflege. Das Männchen der stricknadelförmigen Fische trägt die Embryonen in einer Bruttasche am Bauch mit sich herum. Nach einiger Zeit werden die Jungtiere entlassen, allerdings nicht alle.
Die mit den Seepferdchen verwandten Grasnadeln (Syngnathus typhle) haben eine besondere Art der Brutpflege: Das Männchen der stricknadelförmigen Fische trägt die Embryonen in einer Bruttasche am Bauch mit sich herum und entlässt daraus eines Tages um die 100 fertigen Fischchen. Diese Tasche ist ein sehr sicherer Platz für den Nachwuchs – sollte man meinen. Bereits vor seiner neuen Arbeit wusste Gry Sagebakken, Zoologe an der Universität von Göteborg, dass einige Embryonen im Zuge der Brutpflege verschwinden – aber wohin?
Eine mögliche Antwort: Der Vater löst einige Embryonen auf und nimmt die Nährstoffe über die Innenauskleidung seiner Tasche auf. Eine andere Erklärung: Die heranwachsenden Geschwister profitieren davon. Das Ergebnis: Es ist der Vater, nachzulesen in den "Proceedings B" der britischen Royal Society.
Sagebakken wandte für seine Untersuchung einen biochemischen Trick an. Er fütterte die Weibchen der Fische mit einer Nahrung, die radioaktiv markierte Aminosäuren enthielt. Aminosäuren sind die Grundbausteine aller Proteine. Die so markierten Aminosäuren fanden sich anschließend auch in den Eiern und damit in den Embryonen wieder. Damit konnte der Test beginnen. Wenn der Vater die Embryonen resorbierte, müssten sich in den Proteinen seines Körpers nach der Brutzeit die radioaktiven Aminosäuren wiederfinden. Sollten die übrigen Embryonen ihre Geschwister aufnehmen, ginge die Markierung hingegen auf sie über.
Die radioaktiven Aminosäuren fanden sich im Gewebe der Bruttasche, in den Muskeln und der Leber der Männchen – aber nicht in den Geschwistern. Damit steht der Vater als Täter fest, der einige seiner Nachkommen für einen anderen Zweck als die eigene Vermehrung nutzt.