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Donnerstag, 11. September 2008

Bei Nahrungsmittel-Allergien: Häufig Fehldiagnosen

Nahrungsmittel-Allergien werden nach Einschätzung von Experten sehr häufig falsch diagnostiziert. "Es gibt eine Reihe unsinniger Testverfahren durch nicht spezialisierte Ärzte, die Patienten viel Leid und Geld kosten." Das kritisierte der Präsident des in Erfurt tagenden Deutschen Allergie-Kongresses, Thomas Fuchs. Viele Menschen glaubten, allergisch auf bestimmte Lebensmittel oder Zusatzstoffe zu reagieren. Tatsächlich würden aber nur etwa zwei bis drei Prozent der Erwachsenen und vier Prozent der Kinder an einer echten Nahrungsmittel-Unverträglichkeit leiden.

Die Suche nach den Auslösern sei schwierig und erfordere oft richtige Detektivarbeit. Bioresonanz-Tests oder Magnetismus seien dafür jedoch ungeeignet, sagte Fuchs. Er warnte vor einseitigen Diäten aufgrund von Verfahren, die für die Diagnose von Nahrungsmittel-Allergien ungeeignet seien. Zugleich dürfe die Gefahr dieser Allergien nicht unterschätzt werden. Würden die Betroffenen nicht die Allergieauslöser meiden, könne dies tödlich enden, warnte Fuchs.

Aggressive Erdnuß-Allergene

Am gefährlichsten sei die Erdnuss-Allergie, sagte der Erste Vorsitzende der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin, Albrecht Bufe. "Erdnuss-Allergene sind sehr aggressiv und können schnell zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen." Sie werden laut Bufe sowohl über die Mundschleimhäute als auch über die Atemwege aufgenommen. Besonders bei Kindern seien Erdnuss-Allergien auf dem Vormarsch. Generell würden Allergien meistens im Kindheitsalter beginnen.

Laut Bufe leiden bis zu sieben Prozent der 5- bis 15-Jährigen in Deutschland an Neurodermitis, bis zu zwölf Prozent an Asthma und bis zu 15 Prozent hätten Heuschnupfen. Für deren fachärztliche Versorgung stünden jedoch gerade einmal 460 Kinder- und Jugendärzte mit allergologischer Weiterbildung bereit.

Bei Allergien richtet sich das Immunsystem versehentlich gegen harmlose Substanzen wie Pollen oder Staub, die es als gefährlich einschätzt. Nach Meinung von Experten leidet inzwischen bereits jeder dritte Erwachsene an einer Allergie. Am häufigsten sind dabei die Atemwegs-Allergien. Nach Schätzungen der Fachärzte wird nur etwa jeder zehnte Allergiker korrekt therapiert. In Erfurt tauschen die rund 1000 Teilnehmer des Kongresses noch bis zum Samstag neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus. Die Tagung wird zum dritten Mal gemeinsam von den drei allergologischen Fachgesellschaften organisiert.

Quelle: n-tv.de