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Weltwasserforum in Istanbul Hehre Ziele und Widersprüche

Wenn sich ab 16. März Tausende Experten, Regierungsvertreter und Umweltschützer aus aller Welt in Istanbul versammeln, geht es um ein hehres Ziel: den kostbaren Rohstoff Wasser für künftige Generationen zu bewahren. Das fünfte Weltwasserforum soll nach Angaben der Organisatoren dazu beitragen, das Thema Wasser auf der internationalen politischen Tagesordnung zu stärken und konkrete Vorschläge zum Schutz der lebenswichtigen Ressource aufzuzeigen. Auch die Kritiker des Forums haben sich in der türkischen Bosporus-Metropole eingefunden. Und sie halten manche Kongress-Teilnehmer eher für einen Teil des Problems als für einen Teil der Lösung.

Die Ausmaße des Problems bestreitet niemand: Nach einem am 12. März veröffentlichten UN-Bericht sind die Trinkwasservorräte der Erde durch das Bevölkerungswachstum, den Klimawandel, unverantwortliche Bewässerungstechniken und Verschwendung gefährdet. Wenn nichts getan werde, könnten eine "globale Wasser-Krise" sowie politische Instabilitäten die Folge sein.

Gemeinsame Lösungen gesucht

Das Weltwasserforum vom 16. bis zum 22. März soll helfen, dies zu verhindern. Ausgerichtet wird das Treffen von Weltwasserrat, einer überregionalen Organisation, der zahlreiche Ministerien und Institutionen aus aller Welt angehören. Seit dem ersten Forum, das 1997 in Marrakesch stattfand, folgten alle drei Jahre Treffen in Den Haag, Kyoto und Mexiko-Stadt.

In Anspielung auf die Lage des diesjährigen Konferenzorts Istanbul, der Stadt zwischen Europa und Asien, findet das fünfte Treffen unter dem Motto "Gräben überbrücken" statt. Fachleute und Regierungsvertreter aus etwa 180 Ländern sollen ihre verschiedenen Standpunkte austauschen, um zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. Der türkische Präsident Abdullah Gül und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan werden unter den mehreren Hundert Spitzenpolitikern beim Forum sein.

Am Rande des Treffens wird auch auf anderen Feldern Politik gemacht: Die türkische Führung plant Gespräche mit dem irakischen Präsidenten Dschalal Talabani, der unter den Gästen in Istanbul sein wird.

Umweltschützer üben Kritik

Während die Organisatoren des Weltwasserforums letzte Hand an die Vorbereitung des 17,5 Millionen Euro teuren Mammuttreffens am Goldenen Horn in der Istanbuler Innenstadt legen, weisen Kritiker auf nach ihrer Meinung offensichtliche Widersprüche und Fehler hin. Eine Privatisierung von Wasserressourcen etwa, wie sie mitunter diskutiert wird, halten sie für eine Menschenrechtsverletzung.

In einem "Wasser-Tribunal" der Wasserforums-Gegner stand zudem unter anderem der türkische Premier Erdogan wegen eines Staudammprojekts im Nordosten der Türkei symbolisch vor Gericht. Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört wegen der geplanten - wenn auch derzeit ausgesetzten - Beteiligung der Bundesrepublik am Bau des Ilisu-Staudamms im Südosten der Türkei zu den "Beschuldigten" des Tribunals.

Umweltschützer bezweifeln auch, dass das Wasserforum die richtige Bühne sein kann, um über einen neuen Umgang mit der Ressource Wasser zu sprechen. Uygar Özesmi, Generaldirektor von Greenpeace in der Türkei, verweist darauf, dass die staatliche türkische Wasserbehörde DSI zu den Mitorganisatoren des Forums gehört. Die Institution ist für viele nach Ansicht von Kritikern umweltschädliche Staudammprojekte verantwortlich. Die türkischen Baufirmen Nurol und Cengiz gehören zu den kommerziellen Sponsoren des Treffens - beide Unternehmen stehen an der Spitze jenes Konsortiums, das den Ilisu-Staudamm bauen will.

Quelle: ntv.de, Thomas Seibert, AFP

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