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"Die Erde wird uns bestrafen" Heinz Sielmann ist tot

Ob Arktiswolf oder Sumpfschildkröte - gern zeigte sich Heinz Sielmann mit den Tieren, über deren Leben er viele Jahrzehnte lang berichtete. Mit seiner markanten Stimme und dem warmherzigen Lächeln legte er Millionen Fernsehzuschauern zugleich eindringlich den Erhalt der Natur ans Herz. Am vergangenen Freitag ist der Tierfilmer und Naturschützer im Alter von 89 Jahren gestorben. Ruhig und in Würde sei er im Kreise seiner Familie und Freunde in München entschlafen, teilten der Stiftungsrat und der Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung am Sonntag in Berlin mit.

Am Sitz der Stiftung in Duderstadt (Niedersachsen) soll am kommenden Samstag die Trauerfeier stattfinden. Dort will Klaus Töpfer, der frühere Bundesumweltminister und Ex-Direktor des UN-Umweltprogramms UNEP, den Verstorbenen würdigen.

"Mit Heinz Sielmann verliert Deutschland einen großen Naturschützer und einen glaubwürdigen und authentischen Naturliebhaber", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). "Sielmann hat vielen Menschen durch seine lebendigen, mitreißenden und zugleich mahnenden Filme den Zugang zu den Schönheiten der Natur vermittelt."

"Es wird uns an den Kragen gehen"

Sielmann sah sich selbst als Optimisten. Dennoch sagte er in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" zu seinem 85. Geburtstag: "Wir gehen maßlos mit der Erde um. Sie wird uns für unsere Maßlosigkeit bestrafen, hart bestrafen." Dabei werde der Mensch die Natur nicht umbringen, vorher gehe eher der Mensch kaputt. "Es wird uns an den Kragen gehen, das steht für mich fest."

Bekannt wurde Sielmann mit der von ihm moderierten und konzipierten Fernsehreihe "Expeditionen ins Tierreich", die gut drei Jahrzehnte lang bis 1991 in der ARD lief. Auch im Privatfernsehen setzte er sich für den Schutz der Tiere und Umwelt ein, war mit Naturfilmen bei RTL und Sat.1 präsent.

"Lockende Wildnis"

Unermüdlich reiste der 1917 in Rheydt im Rheinland geborene Verhaltensforscher und Publizist durch die Lande, um das Leben der Tiere festzuhalten. Schon kurz nach dem Krieg hatte er sich dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht angeschlossen. Seine ersten Fernsehbeiträge platzierte er bei dem britischen Sender BBC. Sielmann drehte zudem Kinofilme wie "Lied der Wildbahn", "Herrscher des Urwalds", "Galapagos" und "Lockende Wildnis". Seine Arbeit wurde mit zahlreichen Preisen gekrönt - darunter waren der Deutsche Filmpreis, die Goldene Kamera und der Goldene und Silberne Bär der Berliner Filmfestspiele. Die Bundesrepublik ehrte sein Engagement unter anderem mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern.

1994 gründete Sielmann zusammen mit seiner Frau Inge (76) die Heinz Sielmann Stiftung. Das Paar hatte 1978 seinen einzigen Sohn Stephan verloren, der in Nairobi an den Folgen eines Unfalls starb. Die Stiftung will vor allem junge Leute besser mit der Natur vertraut machen. "Man kann etwas nur dann schützen, wenn man es kennt", hatte Sielmann dazu einmal gesagt. "In unserer Jugend liegt das größte Kapital der Naturschützer." Viele Tausend Schüler haben mittlerweile das Erlebniszentrum auf Gut Herbigshagen besucht.

"Flächen einfach kaufen"

Die Stiftung Heinz Sielmann verleiht zudem Preise für engagierten Umweltschutz und erwirbt große und unzerstörte Gebiete in Deutschland. "Das Beste für den Naturschutz ist es, die Flächen einfach zu kaufen", sagte Sielmann einmal. So sicherte sich die Stiftung zum Beispiel mit den "Naturlandschaften Wanninchen" in Brandenburg rund 3.000 Hektar einer Bergbaufolgelandschaft und gestaltete dort ein Naturzentrum. Auch das ehemalige Truppenübungsgelände Döberitzer Heide stellte die Stiftung unter ihren Schutz.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) würdigte das Leben und Wirken Sielmanns, der auch die Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) beriet. "Die Brandenburger sind Heinz Sielmann und seiner Gattin dankbar für das Engagement und werden das Erbe fortsetzen", sagte Platzeck am Sonntag. Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Renate Künast, bedauerte den Verlust des "großen Tierschützers" und sprach der Familie ihr Beileid aus.

"Ein Leben in der Natur"

Seine Liebe zur Natur hatte der Sohn eines leidenschaftlichen Anglers und Jägers schon als Kind entwickelt und ging früh mit der Kamera auf die Jagd. Mit 21 startete er seine Karriere, als er 1938 seinen ersten Film "Vögel über Haff und Wiesen" zeigte. Etliche Filme später blickte der Forscher anlässlich seines 85. Geburtstages zufrieden zurück: "Es war mir vergönnt, mein Leben in der Natur zu verbringen."

Der Präsident des deutschen Naturschutzrings, Hubert Weinzierl, würdigte Sielmann als einen der herausragenden Naturschützer der vergangenen Jahrzehnte. "Er hat zwei Generationen lang den Menschen die Vielfalt der Schöpfung vermittelt", sagte Weinzierl in Wiesenfelden in Niederbayern. Sielmann habe mit seiner Stiftung ein bleibendes Denkmal für den Naturschutz in Deutschland geschaffen.

Quelle: n-tv.de

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