Wissen

Alter des Kupfers bestimmt Himmelsscheibe nur kurz genutzt

24019593.jpg

Die Himmelsscheibe von Nebra ist im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Viele Geschichten und Mythen drängen sich um die berühmte Himmelsscheibe von Nebra. Wissenschaftler gehen jetzt davon aus, dass der jahrtausende alte Kalender nur 100 bis 150 Jahre Verwendung fand, bevor er vergraben wurde.

Die Himmelsscheibe von Nebra, ein Jahrtausende alter Kalender, ist nach ihrer Entstehung in der Bronzezeit wahrscheinlich nur etwa 100 bis 150 Jahre genutzt worden. Wissenschaftler hatten einen Umlauf von rund 400 Jahren angenommen. "Die Erkenntnis basiert auf neuen bergbauhistorischen Beobachtungen im Zusammenhang mit dem in der Bronzescheibe verwendeten Kupfer", sagte Landesarchäologe Harald Meller.

Das Kupfer, aus dem die Himmelsscheibe besteht, stammt laut Meller aus der Region Mitterberg bei Bischofshofen in Österreich. "Dort wurde frühestens vor etwa 3750 bis 3700 Jahren erstmals Kupfer abgebaut." Die Scheibe sei allerdings vor 3600 Jahren vergraben worden, was eine Nutzungsdauer von 100 Jahren ergebe.

Die bronzene Himmelsscheibe mit Goldauflagen zeigt die älteste konkrete Sternenabbildung der Welt. Bronze ist eine Legierung, die hauptsächlich aus Kupfer und einem geringen Anteil an Zinn besteht.

Erbauer war ein Genie

21228633.jpg

Die Scheibe wurde oftmals nachgebaut. Das Markenrecht wurde vom Bundespatengericht erst kürzlich zurückgenommen, weil die Scheibe Teil des kulturellen Erbes ist.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Himmelsscheibe wurde mehrfach verändert. Auf der rund zwei Kilogramm schweren, fast kreisrunden Bronzescheibe mit einem Durchmesser von 31 bis 32 Zentimetern sind heute als Goldauflagen ein Schiff, Sonne, Mond und 32 Sterne zu erkennen. "Der Erbauer war ein Genie, der auf die Scheibe den Code für einen kombinierten Sonnen- und Mondkalender aufbrachte", sagte Meller. Bereits kurze Zeit später gelangte die Scheibe in fremde Hände, sagte Meller. Die neuen Besitzer kannten die ursprüngliche Bedeutung nicht und veränderten deshalb das Bildprogramm der Scheibe nach ihren Vorstellungen.

Zwei bereits verurteilte Grabräuber hatten die Himmelsscheibe zusammen mit anderen Bronzestücken 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra (Burgenlandkreis) in Sachsen-Anhalt entdeckt. Der Schatz wurde im Februar 2002 von der Polizei bei einer fingierten Verkaufsaktion in der Schweiz sichergestellt und ist jetzt in der Dauerausstellung des Landesmuseums in Halle zu sehen.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema