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Keine Angst vor Geldverlust Hirnschäden machen risikobereit

Schäden in einer tief liegenden Hirnregion führen bei zwei untersuchten Betroffenen zu weniger Angst vor dem Verlust von Geld. Sie riskieren in Experimenten selbst dann eine recht große Summe, wenn der potenzielle Gewinn sehr klein ist. Das tun andere Menschen nicht, berichtet eine Gruppe um Benedetto De Martino vom California Institute of Technology. Ihre Studie ist in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") nachzulesen.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Emotionen im Mandelkern

Die Forscher hatten zwei sehr seltene Patienten mit genetisch bedingten Schäden der Amygdala untersucht. Diese auch Mandelkern genannte, paarig angelegte Region tief im Hirn ist an der Verarbeitung von Emotionen und Entscheidungen beteiligt – und damit auch an der Abwägung des Nutzens möglicher Gewinne angesichts drohender Verluste.
Die Probanden können aufgrund ihrer Störungen in der Amygdala Angst weder erkennen noch spüren, beschreibt De Martino. Und er ergänzt, dass die Patienten auf Porträts zwar Menschen erkennen, die sich freuen oder andere Emotionen zeigen. Wenn man ihnen jedoch Fotos erschreckter Personen zeigt, können sie diesen Gemütszustand nicht benennen.

Im Mittelpunkt der Studie steht die Verlust-Vermeidungs-Strategie. Die illustriert De Martino mit einem Fernsehquiz. Beim Stand von 500.000 Euro kommt es zur Eine-Million-Euro Frage, die mit einer 50:50-Chance richtig beantwortet werden kann. Hat der Kandidat recht, erhält er die Million, irrt er, fällt er auf 32.000 Euro zurück. Für gewöhnlich entscheiden sich die Menschen dafür, auf weitere Fragen zu verzichten und 500.000 Euro einzustreichen.

Gesunde Menschen wägen ab

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Die meisten Menschen entscheiden sich für den sicheren Gewinnweg.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

In den Experimenten ging es um kleine Geldbeträge. Wenn bei einem potenziellen Gewinn von 50 Dollar nur ein Verlust von 10 Dollar drohte, spielten die gesunden Probanden eher um die höhere Summe. Stand einem möglichen Gewinn von 20 Dollar aber ein Verlust von 15 Dollar gegenüber, behielten die Probanden eher, was sie schon hatten, und sahen vom Spiel ab.

Anders die Patienten mit der geschädigten Amygdala: Sie spielten selbst dann noch, wenn der Verlust größer war als der Gewinn. "Eine voll funktionierende Amygdala scheint uns vorsichtiger zu machen, heißt es in einer Mitteilung des beteiligten Wellcome Trust zu den Resultaten. "Wir wussten bereits, dass die Amygdala bei der Verarbeitung von Angst beteiligt ist, und es sieht so aus, als ob sie uns auch Angst vor dem Verlust von Geld macht."

Quelle: n-tv.de, dpa

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