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Die Knochen eines ausgewachsenen Höhlenbären mit Jungtier aus den Höhlen von Goyet in Belgien.
Die Knochen eines ausgewachsenen Höhlenbären mit Jungtier aus den Höhlen von Goyet in Belgien.(Foto: RBINS)
Sonntag, 28. August 2016

Opfer der Eiszeit: Höhlenbär starb aus, weil er Veganer war

Höhlenbären lebten vor rund 400.000 Jahren. Die Säugetiere ernährten sich ausschließlich pflanzlich, stellen Forscher fest und sehen diese unflexible Ernährungsweise als Hauptgrund für ihr Aussterben.

Braunbären gelten als Allesfresser. Sie vertilgen, je nach Jahreszeit, Pflanzen, Pilze, Beeren, kleine und große Säugetiere, Insekten und Fische. Doch das war nicht immer so: "Nach unseren neusten Erkenntnissen waren diese ausgestorbenen Verwandten des Braunbären reine Veganer", erklärt Professor Hervé Bocherens vom Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment an der Universität Tübingen.

Die Höhlenbären, die der Wissenschaftler anspricht, lebten in der letzten Kaltzeit vor rund 400.000 Jahren in Europa. Doch vor zirka 25.000 Jahren starben diese Bären aus. Mit 3,50 Meter Länge und 1,70 Meter Schulterhöhe waren diese von Nordspanien bis in den Ural verbreiteten Bären deutlich größer als ihre heutigen Verwandten.

Trotz ihres Namens lebten sie nicht in Höhlen, sondern hielten dort nur ihre Winterruhe. Dennoch kam es im Laufe von zehntausenden von Jahren durch den gelegentlichen Tod von Tieren in europäischen Höhlen zu enormen Ansammlungen von Knochen und Zähnen der großen Pelzträger.

Informationen aus Knochen geholt

Die Knochen aus den Höhlen von Goyet in Belgien wurden nun von einer Gruppe von Wissenschaftlern untersucht. "Uns hat besonders interessiert, was die Bären gefressen haben und ob es Zusammenhänge zwischen ihrer Ernährungsweise und ihrem Aussterben gab", erläutert der Tübinger Biogeologe.

Die Forscher haben das sogenannte Kollagen der Knochen mittels Isotopenuntersuchung analysiert und herausgefunden, dass sich die Tiere damals rein vegan ernährten. "Ähnlich wie der heutige Pandabär waren die Höhlenbären demnach sehr unflexibel, was ihre Nahrung betrifft", sagt Bocherens. "Wir gehen davon aus, dass diese einseitige Ernährungsweise in Kombination mit dem geringeren Pflanzenangebot während der letzten Eiszeit letztlich zum Aussterben der Höhlenbären führte."

Bei den  Untersuchungen ergab sich ein weiterer interessanter Aspekt: Auch das Kollagen von zwei Höhlenbär-Jungtieren deutet auf eine vegetarische Ernährungsweise hin – obwohl diese noch vom Muttertier gesäugt wurden. Die Wissenschaftler deuten dies als Spiegel der Ernährung der stillenden Höhlenbärmutter.

Quelle: n-tv.de