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Empfindliches Ökosystem Hummeln werden ihren Blüten untreu

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Fällt ein Bestäuber aus, verteilen sich die Hummeln auf zu viele unterschiedliche Pflanzenarten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weltweit ist ein Rückgang der Bienenpopulationen zu beobachten. Dieser könnte weitreichende Auswirkungen für die Ökosysteme unserer Erde haben. Eine Studie an Hummeln zeigt nun auf, dass mit den schädlichen Folgen für die Umwelt weitaus früher zu rechnen ist als bisher angenommen.

Schon der Ausfall eines einzigen Blütenbestäubers kann ein Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Das zeigt eine Studie an Hummeln im US-Staat Colorado. Blieb dort nur eine einzige der insgesamt elf Hummelarten einer Blumenwiese fern, so bildeten manche Pflanzen ein Drittel weniger Samen, wie die Forscher in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS") schreiben. Der Grund: Viele verbleibende Hummeln wurden ihren bisherigen Blüten untreu.

Etwa 90 Prozent aller Pflanzen werden durch Tiere bestäubt, vor allem Insekten. Besonders wichtig für die Pflanzenvermehrung sind Bienen, deren Populationen jedoch in vielen Regionen seit Jahren drastisch sinken. Bisher gingen theoretische Modelle davon aus, dass der Ausfall eines einzelnen Bestäubers keine Schäden hinterlässt, solange andere Arten die Lücke füllen.

Die Bestäubungsrate sank

Dem widerspricht die Studie von Berry Brosi und Heather Briggs von der Emory University in Atlanta. Auf Bergwiesen im US-Staat Colorado hielten die Umweltforscherinnen jeweils eine der elf Hummelarten von einem etwa 400 Quadratmeter großen Areal fern. Dabei beobachteten sie, wie sich die übrigen Hummeln verhielten und wie sich die Pflanzen vermehrten.

"Die meisten Bestäuber besuchen im Laufe ihres Lebens mehrere Pflanzenarten, aber über kürzere Zeiträume zeigen sie das, was wir Blütentreue nennen", sagt Brosi laut einer Mittelung ihrer Universität. "Sie neigen dazu, sich auf eine gerade blühende Pflanze zu konzentrieren und einige Wochen später ziehen sie weiter zur nächsten blühenden Art."

Der Ausfall einer Hummelart brachte dieses Gefüge durcheinander, wie die Forscherinnen berichten. In ungestörten Arealen waren 78 Prozent der Hummeln blütentreu. Fehlte jedoch eine Art, so sank der Anteil auf 66 Prozent – mit gravierenden Folgen für die Pflanzen. Weil mehr Hummeln verschiedene Blüten ansteuerten, trugen sie seltener die passenden Pollen am Körper: Die Bestäubungsrate sank. Dies betraf vor allem Rittersporn-Arten. "Fehlte nur eine Hummelart, so bildeten diese Blumen ein Drittel weniger Samen", sagt Brosi. "Das ist alarmierend und legt nahe, dass der weltweite Rückgang an Bestäubern größere Folgen auf Blütenpflanzen und Nahrungspflanzen haben könnte als bisher bekannt."

Quelle: n-tv.de, dpa

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