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"Tickende Zeitbombe" Immer mehr Plastik im Meer

Blick auf einen Abschnitt an der Küste des Senegals: Plastik sei rund um den Globus der am weitesten verbreitete marine Müll, so ein Bericht.

Blick auf einen Abschnitt an der Küste des Senegals: Plastik ist laut einer Untersuchung der am weitesten verbreitete marine Müll.

Der bunte Plastikmüll auf dem Meer tötet Vögel, verstopft Fischernetze und klemmt sich in Schiffsschrauben. 100 Kilogramm Plastik benötigt allein ein Europäer pro Jahr. Eine Weltkonferenz soll nun Abhilfe schaffen.

Auf dem Meer wird es immer bunter. Vom Land treibt der Wind riesige Mengen von Abfällen in die Ozeane, die Flüsse leiten ebenfalls Müll ein. Vor allem Plastikteile bereiten mit ihren noch unabsehbaren Folgen Umweltforschern Kopfschmerzen. "Das ist eine tickende Zeitbombe", fürchtet Peter Gilruth, Direktor der Abteilung für Frühwarnsysteme des UN-Umweltprogramms (UNEP) in Nairobi. Besonders Besorgniserregend seien die sogenannten Mikroplastik-Abfälle - winzige Partikel, die von Fischen und anderen Meeresorganismen leicht aufgenommen werden und in die Nahrungskette gelangen.

Da das leichte Plastikmaterial von den Meeresströmungen getragen wird, statt zu Boden zu sinken, konzentrieren sich die Abfälle zudem in bestimmten Bereichen. Simulationsmodelle zeigen vor allem im Pazifik und vor den Küsten Südamerikas eine wachsende Konzentration dieser Plastikteile. Einige Abfälle werden weit entfernt vom Ort ihrer Herstellung wieder an Land gespült.

Aktionsplan soll helfen

Freiwillige sammeln am Strand der phillippinischen Hauptstadt Manila Müll ein, den das Meer angespült hat. Es ist ihr Beitrag zum Internationalen Küstenreinigungstag.

Freiwillige sammeln am Strand der phillippinischen Hauptstadt Manila Müll ein, den das Meer angespült hat.

(Foto: dpa)

Die Ozeane als Müllkippe? Vom 20. März an befasst sich in Honolulu die 5. Weltkonferenz zur Verschmutzung der Meere mit dem Problem. Dabei wird ein Aktionsplan angestrebt, um den ins Meer gelangenden Müll in den nächsten zehn Jahren deutlich zu vermindern.

Eine Reihe der chemischen Bestandteile in Plastikabfällen können, so befürchten einige Wissenschaftler, langfristig das Erbgut verändern oder Krebserkrankungen begünstigen. Wie letztlich die Auswirkungen auf das Ökosystem Ozean und die Gesundheit vom Menschen sein wird, lässt sich jedoch derzeit noch nicht abschätzen.

Die Menge machts

Auch die Menge der Plastikabfälle in den Weltmeeren ist derzeit noch eine unbekannte Größe. Bekannt ist dagegen, dass die Einwohner Nordamerikas und Westeuropas im Jahr durchschnittlich 100 Kilogramm Plastikmaterialien benötigen. Bis zum Jahr 2015 werden es nach UNEP-Prognosen bereits 140 Kilogramm sein. Während aber beispielsweise in Norwegen oder der Schweiz 80 Prozent des Plastiks recycelt oder auf andere Weise wiederverwendet werden, gilt das etwa in Großbritannien für weniger als ein Viertel der Plastikabfälle.

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In Indien wird noch Brauchbares aus dem Matsch gefischt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der schwimmende Abfall sorgt für erhebliche wirtschaftliche Kosten. Die schottische Fischereiindustrie etwa verliert jährlich zwischen 15 und 17 Millionen Dollar (11 bis 12 Millionen Euro) oder fünf Prozent ihrer Einkünfte durch den Zeitverlust bei der Reinigung von Netzen, die mit Plastikabfällen verstopft wurden.

Allein im Jahr 2008 mussten in britischen und norwegischen Gewässern fast 300 Boote aus Seenot gerettet werden, weil Abfälle die Schiffsschrauben blockiert hatten, heißt es im UNEP-Jahrbuch. Und allein in den Niederlanden und Belgien mit ihren vergleichsweise kurzen Küsten fallen den Angaben zufolge jährlich Kosten in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro an, um die Strände von Plastik- und anderen Abfällen zu säubern.

Alternatives Recycling

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Die Produkte von UniquEco können im Internet gekauft werden.

Dass das Problem auch kreativ angepackt werden kann, zeigen unter anderem die Kenianerinnen Julie Johnstone und Tahreni Bwanaali, Gründerinnen von Uniqueco-Designs. Sie recyceln alte Plastiksandalen und andere Plastikabfälle, die an die Strände des ostafrikanischen Landes getrieben werden.

Der Müll aus dem Meer bekommt eine neue Gestalt - eingeschmolzen zu buntem Perlenschmuck, Spielzeugtieren oder Alltagsgegenständen wie Pinnwand und Seifenschale. Das Projekt hat nicht nur 150 Arbeitsplätze in kenianischen Küstendörfern geschaffen, sondern auch ein Standbein in Kibera, dem größten Slum des Landes.

Quelle: ntv.de, Eva Krafczyk, dpa