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(Foto: picture-alliance / dpa)
Sonntag, 04. Oktober 2009

Dr. Granville irrte: Irtyersenu starb an Tuberkulose

Die vor rund 2600 Jahren einbalsamierte Ägypterin Irtyersenu ist an Tuberkulose, nicht an Krebs gestorben. Das ergab eine neue Untersuchung der im Britischen Museum gelagerten Mumie, berichtet ein Team um Helen Donoghue vom University College London. Ihre Studie ist in den "Proceedings" der britischen Royal Society nachzulesen. Die Forscher fanden die DNA und Bestandteile des Erregers Mycobacterium tuberculosis in dem konservierten Leichnam der rund 50-jährigen Frau, die etwa 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Theben beigesetzt wurde.

Schon 1825 untersucht

Es ist nicht die erste Analyse der Mumie. Bereits 1825 schnitt der Mediziner Augustus Bozzi Granville (1783-1872) erstmals durch die ledrige Haut und erstattete anschließend Bericht. Demnach war ein Tumor der Gebärmutter die Todesursache. In den folgenden Jahren - bis in die heutigen Tage - nahmen sich aber noch andere Wissenschaftler des Körpers an. Sie schlossen die Krebs-Erklärung aus und vermuteten mit dem Blick auf die Lunge von Irtyersenu bereits, dass die damals weit verbreitete Tuberkulose den Tod herbeigeführt haben könnte. Anders als bei vielen weiteren Mumien finden sich in diesem Falle noch einige Organe.

Der These von der Tuberkulose ging nun auch das internationale Team von Donoghue nach. Aus der Lunge wurden zwei mit 29,6 und 69,9 Milligramm nicht eben großzügig bemessene Proben genommen, aus dem Oberschenkel kamen 71,2 Milligramm. Weitere Gewebeteile stammten von der Blase. Darin suchten die Wissenschaftler jeweils nach der Erbsubstanz der Krankheitserreger, deren DNA heute ja bekannt ist. In peinlich sauber gehaltenen Räumen wurde die DNA extrahiert und so weit vermehrt, dass sie sich analysieren ließ.

Perfekt und schön

Viele Versuche blieben dafür nicht - schließlich lässt sich nicht das ganze Untersuchungsobjekt nach und nach zu Pulver mahlen. Bereits Granville hatte einen gewissen Respekt von der historischen Leiche, denn er schrieb 1925: "(...) dennoch entschloss ich mich, so perfekt und schön wie sie auch war, dieses einmalige Beispiel der ägyptischen Einbalsamierungskunst der Forschung zu opfern, und setzte das Messer an. (...)"

Zudem fahndeten Donoghue und ihre Kollegen nach Bestandteilen der Zellhülle von Mycobacterium - und entdeckten auch diese. Mit Blick auf die Reste des faltig-eingefallenen Körpers und ihre modernen Analysen geht die Gruppe davon aus, dass die Tuberkulose die Lunge entzündete und die Krankheit auf andere Teile des Körpers überging.

Quelle: n-tv.de