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Strahlung in Lebensmitteln aus Japan Ist Sushi bedenkenlos verzehrbar?

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In Hongkong prüft der Küchenchef mit einem Geigerzähler die Radioaktivität von Meeresfrüchten aus Japan.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In Japan wird der Verkauf verschiedener Lebensmittel wegen erhöhter radioaktiver Werte gestoppt, obwohl die Behörden keine gesundheitlichen Gefährdungen durch die gemessenen Strahlenwerte sehen. Solche Meldungen lassen besorgte Verbraucher ratlos zurück.

Überall auf der Welt werden die Geschehnisse in Japan verfolgt. Angst und Besorgnis machen sich breit. Obwohl Experten immer wieder darauf verweisen, dass keine gesundheitliche Bedrohung durch Radioaktivität in Deutschland zu erwarten ist, werden Geigerzähler und Jodtabletten gekauft. Vor allem die Frage nach der Belastung von Meeresfisch wird immer wieder gestellt. "Diese ist jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht abschließend zu beantworten, da offizielle Messdaten aus Japan bislang fehlen", teilt Dr. Michael Welling vom bundeseigenen Johann Heinrich von Thünen-Institut mit. "Von einer Beeinträchtigung der Verbraucher in Deutschland ist aber nicht auszugehen, denn aus Japan beziehen wir nur einen verschwindend geringen Teil unserer Fischimporte."

Die Experten gehen davon aus, dass sich die radioaktiven Stoffe, die über kontaminiertes Kühlwasser der Kernkraftwerke und belastete Luftmassen in den Pazifischen Ozean gelangt sind, aufgrund der Größe des Pazifiks schnell verdünnen werden, so dass sie in kürzester Zeit nicht mehr nachweisbar sind. Ihre Prognosen fällen die Forscher auch aufgrund langjähriger, kontinuierlicher Untersuchungen des Fisches von Nord- und Ostsee auf Radioaktivität, die 1986, also kurz nach dem Unglück von Tschernobyl, begonnen wurden.

"Nie wieder Sushi"

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Sushi, das Nationalgericht der Japaner, könnte wegen der radioaktiven Strahlung in Fisch, Reis und Algenblättern bald der Vergangenheit angehören.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder warnt dagegen vor den Folgen radioaktiver Verstrahlung im Pazifik. Die Nuklide würden von Fischen und anderen Meerestieren über die Nahrung aufgenommen und gelangten schließlich über die Nahrungskette wieder zum Menschen. Dies sei fatal für die Japaner, die sich überwiegend von Fisch ernährten. "Nie wieder Sushi, könnte man sagen", empfahl der Strahlenbiologe. Aber gilt dies auch in Deutschland?

Für Verbraucher in Deutschland besteht derzeit weder durch Fisch noch durch andere Lebensmittel aus Japan eine gesundheitliche Gefährdung durch Radioaktivität. Das bestätigte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner in einem Gespräch. Aus Sicherheitsgründen hat die Europäische Kommission ihre Mitgliedsstaaten dazu aufgerufen, ab sofort alle Lebens- und Futtermittel aus Japan auf eine Strahlenbelastung zu untersuchen. In Deutschland übernehmen das die zuständigen Behörden der Länder. Speziell an Flug- und Seehäfen wurden die Messungen verstärkt.

Bisher allerdings ist der Handel mit Japan seit dem Unglück von Fukushima ausgesetzt. Alle japanischen Nahrungsmittel, die derzeit in den Läden zu kaufen sind, waren schon vor der Katastrophe im Land und können damit auch nicht strahlenbelastet sein. Der Fisch für Sushi-Gerichte stammt ohnehin meistens gar nicht aus Japan.

Augenmerk auf radioaktives Cäsium

Alle radioaktiven Zerfallsprodukte sind für Lebewesen gesundheitsschädlich. Am meisten jedoch beschäftigt die Forscher der Wert des radioaktiven Cäsiums-137 in Lebensmitteln, besonders im Fisch, in Meerestieren und -pflanzen aus dem Pazifik. Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von bis zu 30 Jahren. Die Algen zum Beispiel, die bei vielen Sushi-Gerichten als Nori-Blätter verwendet werden, könnten tatsächlich auch noch viele Jahre mit radioaktivem Cäsium belastet sein. Das liegt auch daran, weil Algen relativ stoffwechselaktiv sind, das heißt in kurzer Zeit viele Schadstoffe aufnehmen, erläutert Welling diesen Zusammenhang. Aus diesem Grund müssen auch die Algen in Zukunft ständig überprüft werden. "Allerdings", so Welling weiter, "ist Sushi bei uns eher eine Delikatesse, die dementsprechend nicht jeden Tag in großen Mengen verzehrt wird, so dass die Dosis der möglichen radioaktiven Strahlung verschwindend gering wird." In Japan allerdings könnte die Strahlenbelastung des Fisches in Zukunft zu einer echten Lebensmittelkrise führen.

Quelle: ntv.de, jze