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Das Ebola-Virus gehört zu den fadenförmigen Einzel-Strang-RNA-Viren.
Das Ebola-Virus gehört zu den fadenförmigen Einzel-Strang-RNA-Viren.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 01. August 2012

Eines der gefährlichsten Viren der Welt: "Jeder Ebola-Infekt ist dramatisch"

Hier kommt der Autor hin

Der Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Mindestens die Hälfte aller Infizierten stirbt daran. Dennoch ist die Infektion relativ gut eingrenzbar, allerdings erst, wenn sie richtig diagnostiziert wird. Wie sich die Menschen in Uganda infiziert haben könnten und um welchen Erreger es sich dort genau handelt, erklärt Professor Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie an der Universität in Marburg.

n-tv.de: Professor Becker, können Sie uns Details zum Ausbruch der Ebola-Erkrankung in Uganda geben?

Stephan Becker: Ebola-Viren werden in fünf verschiedene Subtypen eingeteilt. In Uganda handelt es sich offenbar um das Ebola-Virus Sudan, das als weniger aggressiv gilt. Es wird angenommen, dass rund 50 Prozent aller Infizierten daran sterben werden. Beim Ebola-Virus Zaire dagegen sterben sogar 80 bis 90 Prozent der Erkrankten. Trotzdem ist jede Ebola-Infektion als dramatisch einzustufen.

Wird es in Uganda noch mehr Todesopfer durch Ebola geben?

In Uganda werden die Krankenhäuser von Security-Mitarbeitern gesichert, um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen.
In Uganda werden die Krankenhäuser von Security-Mitarbeitern gesichert, um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen.(Foto: REUTERS)

Mit großer Sicherheit. Das liegt zum einen an der unglaublichen Aggressivität der Erkrankung. Ebola-Infizierte bekommen Fieber, Erbrechen, leiden unter heftigen Durchfällen und bekommen innere Blutungen, die schließlich zum Tod führen. Der Ausbruch der Erkrankung kann zwei Tage bis drei Wochen nach der Infektion erfolgen. Das ist ein relativ großer Zeitraum, in dem die Viren sich vermehren und weitergegeben werden können. Zum anderen sind die hygienischen Verhältnisse entscheidend, die in Zentralafrika nicht immer optimal sind. Um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen, werden die Menschen Ugandas zu Recht von der Regierung angehalten, sich nicht mehr die Hände zu schütteln oder Verstorbene selbst zu begraben.

Wie genau infizieren sich denn die Menschen in Afrika?

Wir vermuten, dass Flughunde die natürlichen Träger der Viren sind. Oftmals ist die Ansteckungskette jedoch so, dass sich die Menschen durch Affen anstecken. In Zentralafrika wird ja sehr gern Affenfleisch konsumiert und ein mit Ebola infizierter Affe ist sehr geschwächt und damit leichte Beute. Der Mensch steckt sich dann beim Schlachten des Affen an und gibt diese Viren über den Kontakt zu anderen Menschen weiter. Dann kommt der Infizierte ins Krankenhaus und auch dort kann sich die Krankheit, vor allem beim Pflegepersonal und den Ärzten, weiter ausbreiten, solange nicht klar ist, dass es sich um Ebola-Viren handelt. So ist es wahrscheinlich auch in Uganda passiert.

Wie verbreiten sich denn die Ebola-Viren?

Die Ansteckung erfolgt nicht über die Luft, sondern entweder durch einen direkten Blut-zu-Blut-Kontakt oder durch den Kontakt zu anderen infektiösen Körperflüssigkeiten wie Erbrochenem, Speichel oder Durchfall. Ebola-Viren können also durch Kontakt-, Schmier- und Tröpfcheninfektionen verbreitet werden. Ist Ebola erst einmal eindeutig diagnostiziert, kann die Ausbreitung mit entsprechenden hygienischen Maßnahmen jedoch gut eingedämmt werden. In solchen Fällen wird das sogenannte "Barrier Nursing" angewendet, das das Tragen von Handschuhen, Mundschutz, OP-Kitteln, etc. in Krankenhäusern einschließt.

Sie haben Flughunde als natürlichen Träger des Ebola-Virus bezeichnet. Warum?

Ein Virus ist von Natur aus immer auf Vermehrung aus. Da Menschen und Affen durch die Ebola-Virus-Infektion schnell sterben, kann sich das Virus in diesem Fall auch nicht sehr erfolgreich weiter verbreiten, weil Viren auf lebende Zellen für ihre Vermehrung angewiesen sind. Flughunde dagegen erkranken nicht durch die Viren, obwohl sich die Viren im Körper des Flughundes vermehren und schließlich, beispielsweise über den Kot, ausgeschieden werden. Aus diesem Grund werden die Flughunde als natürliche Träger bezeichnet.

Professor Stephan Becker leitet das Institut für Virologie der Universität Marburg.
Professor Stephan Becker leitet das Institut für Virologie der Universität Marburg.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bisher gibt es weder eine Impfung noch ein wirksames Mittel, mit denen Ebola verhindert bzw. geheilt werden könnte. Worin besteht die Schwierigkeit?

Es gibt bisher keine für den Menschen zugelassene Impfung. Es gibt jedoch einige Impfstoffe, die sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befinden und  deshalb als sicher eingestuft werden können. Aus verschiedenen Gründen können diese Wirkstoffe jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht als Impfstoffe zugelassen werden. Es gibt sogar Impfstoffe, die sich im Tierversuch bei der Gabe zwei bis drei Tage nach der Infektion bewährt und zu einer Heilung geführt haben.

Ist es denn möglich, dass solch ein Wirkstoff jetzt nach Uganda geschickt wird?

Das halte ich durchaus für möglich, auch wenn das eine sehr heikle Angelegenheit ist. Auf der einen Seite könnte den Menschen mit den Wirkstoffen geholfen werden, auf der anderen Seite bleiben die Mittel für den Menschen nicht zugelassene Wirkstoffe. Alle Verantwortlichen, die mit diesem Thema zu tun haben, bewegen sich in einer regelrechten Grauzone. Egal, ob die Mittel schließlich angewendet werden oder nicht - die Tatsache, dass es bereits gegen Ebola wirksame Mittel gibt, führt zu einem großen Konflikt. Ich kann heute nicht sagen, wie man damit aktuell in Uganda vorgehen wird.

Wird man denn immun, wenn man eine Ebola-Infektion überlebt?

Das können wir leider nicht mit Sicherheit sagen, weil nur sehr wenige diese Infektion überhaupt überleben. Aus diesem Grund gibt es auch zu wenig auswertbare Daten. Wahrscheinlich ist aber, dass eine gewisse Immunität nach einer Ebola-Erkrankung vom Körper entwickelt wird.

Kann Ebola auch nach Europa oder sogar nach Deutschland kommen?

Das ist prinzipiell möglich. Jemand kann sich in Zentralafrika mit Ebola infizieren, nach Deutschland reisen und schon ist die Infektion auch bei uns angekommen. Besonders betroffen sind natürlich die sogenannten Rucksacktouristen, weil diese wesentlich mehr Kontakt zur einheimischen Flora und Fauna haben als Reisende, die sich hauptsächlich in Hotels aufhalten. In Deutschland ist die Krankheit jedoch noch nie nachgewiesen worden.

Mit Stephan Becker sprach Jana Zeh.

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Quelle: n-tv.de