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Erleichterung für die Pferde Jockeys helfen beim Laufen

Was starr scheint, hat offenbar einen praktischen Grund: Durch ihre verkrampfte Haltung unterstützen die Jockeys ihre Pferde beim Laufen. So haben sich die Rennzeiten zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts um fünf bis sieben Prozent verkürzt.

jockey.jpgMit einer völlig verkrampften Haltung erleichtern Jockeys ihren Pferden deren Arbeit und haben die Rennzeiten zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts um fünf bis sieben Prozent verkürzt. Das berichtet ein Team um Thilo Pfau vom Royal Veterinary College der Universität London. Die Studie ist im Journal „Science“ nachzulesen.

Die Gruppe stattete sowohl die Jockeys als auch die Pferde mit speziellen GPS-Positionssensoren aus. Damit ließen sich sowohl die Bewegung der Pferde als auch jene der Reiter exakt bestimmen. Zudem wurden beide auf ihrem gemeinsamen Weg über die Rennstrecken mit Kameras gefilmt. Als dritte Informationsquelle dienten britische Rennprotokolle vom Beginn des 20. Jahrhunderts.

Stoßdämpfer im Steigbügel

Die Jockeys sitzen während des Rennens keinesfalls starr auf dem Rücken der teuren Hochleistungspferde, sondern stützen sich mit angewinkelten Beinen in den Steigbügeln ab. Die dabei eingeknickten Gliedmaßen fungieren wie eine Art Stoßdämpfer – die Reiter halten sich damit fast immer auf der gleichen Höhe. Der Pferderücken hingegen zeigt während des Galopps eine leichte Auf- und Abbewegung. Diese wird von den Beinen des Jockeys abgefedert, dessen Körper das Auf und Ab des Pferderückens daher fast gar nicht mitmacht.

Diese besondere, in der Branche unter dem Namen „Martiniglas-Position“ bekannte Haltung sorgt dafür, dass das Pferd keine Energie dafür aufbringen muss, außer dem eigenen auch noch das Gewicht des Jockeys nach oben zu stemmen – auf den vielen hundert Metern einer Galopprennbahn bedeutet das zusätzliche Anstrengung, die Kraft raubt, die dann für den Spurt durchs Ziel fehlt.

Stoßdämpfer-Haltung bis 1910 durchgesetzt

Die gebückte Haltung entstand Ende des 19. Jahrhunderts in den USA, berichtet Pfau nach einigen  historischen Recherchen. 1897, so erklärt der Forscher, brachten die ersten Jockeys den neuen Stil nach Großbritannien, wo die Reiter noch mit ganzem Gewicht im Sattel saßen. Bis 1910 hatte sich die Stoßdämpfer-Haltung durchgesetzt, heißt es in „Science“ weiter.

Diese Änderung hatte in den Hippodromen schnellere Rennzeiten zur Folge – jene fünf bis sieben Prozent.

Quelle: n-tv.de, dpa