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Wenn die Nächte wärmer werden Klimawandel wird zum Schlafkiller

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Der Schlaf am Mittag ist nicht zu vergleichen mit nächtlichem.

(Foto: REUTERS)

Wer liebt sie nicht, die lauen Sommernächte? Doch mit der stetigen Erwärmung der Erde kommt neben Lärm und Licht ein weiterer Störfaktor für den Schlaf hinzu. Und bereits ein Grad Celsius Temperaturanstieg in der Nacht reicht aus, um den Schlaf zu stören.

Schlaf ist ein Grundbedürfnis für Körper und Geist. Er ist überlebenswichtig. Doch immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen. Zu den Ursachen wie Lärm, Lichtverschmutzung und Stress kommt eine weitere hinzu: der Klimawandel. Das können Forscher um Nick Obradovich von der Harvard University in Cambrigde nun beweisen.

Die Idee für die Untersuchung wurde aus den persönlichen Erfahrungen geboren. Obradovich konnte während der Hitzewelle im Herbst 2015 nächtelang nicht gut schlafen. Er wollte deshalb wissenschaftlich ergründen, wie sich nächtliche Wärme auf den Schlaf auswirken kann und was der Klimawandel in Bezug darauf zukünftig anrichten könnte.

Konkreter Zusammenhang

Die Forscher werteten die Daten von insgesamt 765.000 US-Bürgern aus, die 2002 bis 2011 an einer großen Gesundheitsstudie teilgenommen hatten. Darin wurden die Probanden auch nach der Qualität ihres Schlafes beziehungsweise der Art ihrer Schlafstörungen gefragt. Diese Angaben verglichen die Wissenschaftler mit den Temperaturdaten zur gleichen Zeit am Wohnort der Studienteilnehmer und fanden heraus, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen warmen Nächten und schlechtem Schlaf gibt.

Bereits ein Grad Celsius über dem Normalwert führte durchschnittlich zu drei durchwachten Nächten im Monat mehr pro 100 Personen, so das Ergebnis. Rechnet man dieses Ergebnis auf die Bevölkerung der USA hoch, dann ergeben sich rund 110 Millionen schlaflose Nächte mehr im Jahr. Diese Beeinträchtigung ist nicht als Lappalie abzutun, denn wer zu wenig schläft, ist anfälliger für Infektionen und sogar chronische Krankheiten. Ebenso werden Stimmung und geistige Leistungen negativ beeinflusst. Besonders stark treffen die Effekte ältere und ärmere Menschen, so weitere Studienergebnisse. Ältere Personen leiden durch eine Erhöhung der Nachttemperatur rund doppelt so oft unter Schlafstörungen wie jüngere, bei ärmeren treten die Schlafstörungen drei Mal häufiger auf als bei reichen. Kommen beide Aspekte, also arm und alt, zusammen, verzehnfacht sich der schlafstörende Effekt sogar.

Die Zukunft wird schlafloser

Um auch Aussagen für die Zukunft machen zu können, haben die Forscher ihre Daten mit einem Klima-Prognosemodell verknüpft und berechnet, wie viel Schlaf der Klimawandel 2050 und 2099 stören wird. Demnach könnten bis 2050 pro Monat je 100 Personen sechs schlaflose Nächte hinzukommen, bis 2099 sogar 14 Nächte.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Science Advances".

Quelle: n-tv.de, jaz

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