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Neues Modell für individuelles Risiko Krebsprognose soll Frauen helfen

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Jede gesetzlich versicherte Frau ab 30 hat in Deutschland das Recht auf eine Brustkrebsvorsorge im Jahr.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Brustamputation von Angelina Jolie als Krebs-Prävention erregte weltweit Aufsehen. Doch tausende Frauen stehen vor ähnlich schweren Entscheidungen wie die Schauspielerin. Ein neues Modell zur Bestimmung des persönlichen Krebs-Risikos könnte Entscheidungshilfen bieten.

Anhand einfacher Informationen haben Forscher ein Modell entwickelt, das bei Frauen im Alter ab 50 Jahren das individuelle Risiko ermittelt, an Krebs von Brust, Gebärmutter oder Eierstock zu erkranken. Dies könne Frauen bei Entscheidungen zu Prävention oder bei der Auswahl von Therapien helfen, betonen die US-Forscher in der Zeitschrift "PLOS Medicine".

Die drei Krebsarten waren demnach im Jahr 2008 für zehn Prozent aller tumorbedingten Todesfälle weltweit verantwortlich: In jenem Jahr starben 460.000 Frauen an Brustkrebs, weitere 140.000 an Eierstockkrebs und 74.000 an Gebärmutterkörperkrebs. Die drei Tumorarten betreffen zwar verschiedene Organe, haben aber viele Einflussfaktoren gemeinsam - etwa durch Hormone.

Kriterienliste für weiße Frauen ab 50

Mit dem neuen Modell wollen die Forscher um Ruth Pfeiffer vom National Cancer Institute in Bethesda im US-Staat Maryland das Erkrankungsrisiko weißer Frauen ab 50 Jahren abschätzen. Zu den Informationen zählen Alter, Konsum von Tabak und Alkohol, Körper-Masse-Index (BMI), Alter bei der ersten Geburt, Zahl der Kinder, Alter beim Einsetzen von Menarche und Menopause, Nutzung einer Hormonersatztherapie oder andere Fälle von Eierstock- oder Brustkrebs in der Familie.

Um das Risiko zu ermitteln, werteten die Forscher verschiedene große Sammelstudien aus. Ihr Modell glichen sie dann mit Resultaten anderer Untersuchungen ab. Für Gebärmutterkörperkrebs, immerhin die vierthäufigste Tumorart bei Frauen, sei dies das erste Risikomodell, schreiben die Forscher.

Absolute Erkrankungswahrscheinlichkeit

Das Modell könne Frauen beim Treffen von Entscheidungen helfen, schreiben Lars Holmberg von der schwedischen Universitätsklinik Uppsala und Andrew Vickers vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York in einem Kommentar. Ein Vorteil sei, dass das Modell kein relatives Risiko angibt, also im Vergleich zur durchschnittlichen weiblichen Bevölkerung, sondern eine absolute Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Eva-Maria Grischke, Professorin an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, sieht einen Vorteil des Ansatzes auch darin, Risikogruppen zu ermitteln, die von einer besseren Prävention oder intensiveren Krebsvorsorge profitieren können. "Im Einzelfall kann das im klinischen Alltag aber auch zu anderen Fragen eine zusätzliche Entscheidungshilfe bieten", sagt die Frauenärztin.

Quelle: ntv.de, dpa

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