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Mit Sieben nehmen die meisten zu Macht Schule Kinder dick?

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Mit dem Eintritt in die Schule verdoppelt sich die Zahl der übergewichtigen Kinder.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Deutschland ist bereits jedes fünfte Kind übergewichtig. Um den Ursachen auf die Spur zu kommen, gehen Wissenschaftler über die geläufige Formel "Mehr Bewegung, weniger Kalorien" hinaus und können nun sagen, wann genau das ernährungsbedingte Übergewicht beginnt. Über die Gründe jedoch können sie derzeit nur spekulieren.

Kinder in Deutschland werden kurz nach der Einschulung dick. Das hat das Forscherteam um Perikles Simon, Sportmediziner an der Universität Mainz, herausgefunden. Bis zum Alter von fünf Jahren wogen die Kinder noch genauso viel wie vor 20 Jahren. Bei den Achtjährigen dagegen ist heute jedes fünfte Kind übergewichtig, das sind doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Der Anteil an Übergewichtigen von mindestens einem Fünftel unter den Heranwachsenden bleibt bis zum Erwachsenenalter konstant.

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Ein gesundes Frühstück ist für Schulkinder ein Muss.

(Foto: picture alliance / dpa)

Warum immer mehr Kinder immens an Gewicht zulegen, untersuchen die Forscher aus Mainz und gehen dabei neue Wege. Mit einer speziellen Datenanalyse können sie ermitteln, dass am meisten im Alter von 7,2 Jahren zugenommen wird. Herauszufinden, warum gerade in diesem Alter das Gewicht sprunghaft ansteigt, haben sich die Forscher aus Mainz zur Aufgabe gemacht. Den Start der Schulzeit als Grund für Übergewicht anzugeben, ist nicht weit genug gedacht. "Wir gehen eher von einem komplexen Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus, die aber wahrscheinlich eher im häuslichen Umfeld der Kinder liegen", sagt Simon in einem Gespräch mit n-tv.de.

Gewichtszunahme zwischen Sieben und Acht

Die Basis für das schnelle Ansteigen des Körpergewichts zwischen sieben und acht Jahren würde aber höchstwahrscheinlich schon im Kindergartenalter gelegt, vermutet der Forscher. Um diese These zu stützen, läuft derzeit eine Pilotstudie an insgesamt 35 Kindertagesstätten und Grundschulen in Mainz. "Wir befragen hier nicht nur die Kinder selbst, sondern auch ihre Eltern, Lehrer und Erzieherinnen", erklärt Simon die Verfahrensweise. Wir wollen so herausbekommen, wie sich der Lebensstil der Kinder auf ihr Gewicht auswirkt, welche Rolle Umwelteinflüsse spielen und auch, ob es noch andere Faktoren gibt, die für das steigende Übergewicht bei Kindern verantwortlich sind."

Die meisten Programme, die sich mit dem Übergewicht von Kindern befassen, intervenieren. Das heißt, es geht dabei immer um die Formel "Mehr Bewegung, weniger Kalorien", um das Übergewicht abzubauen. "Obwohl diese Programme sehr sorgfältig durchgeführt werden, verzeichnet man allenfalls in den ersten zwei bis drei Jahren Erfolge. Spätestens ab dem vierten Jahr sieht es so aus, als hätte man nichts getan. Das ist sehr ernüchternd und wir sind der Meinung, dass es neuer Ansatzpunkte bedarf, um Übergewicht bei Kindern zu vermeiden. Nach diesen suchen wir nun", erklärt Simon weiter.

Der Forscher hofft, dass die Ursachen für Übergewicht tatsächlich im Verhalten der Kinder oder in Umwelteinflüssen zu finden sind und nicht schon im Bauch der werdenden Mutter gelegt werden, wie Ergebnisse aus Tierversuchen mit Mäusen nahelegen. Nur dann könnten auch die Ursachen relativ leicht bekämpft werden.

Klar bleibt dennoch, dass der oft gut gemeinte Satz in Hinblick auf übergewichtige Kinder im Vorschulalter und frühen Schulalter "… das verwächst sich schon wieder", eindeutig überholt ist. "Es gilt in diesem Zusammenhang leider viel eher der unangenehme Spruch: einmal dick, immer dicker", erläutert Simon.

Quelle: ntv.de

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