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Pilotstudie vorgestellt Männer sind kränker als gedacht

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Erst wenn gar nichts mehr geht, fügt "Mann" sich und sucht einen Arzt auf.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die regelmäßige Untersuchung ihrer Fahrzeuge beim TÜV ist für Männer selbstverständlich, bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen jedoch kneifen die meisten von ihnen. Die Beweggründe dafür sind vielfältig und reichen von zu wenig Zeit bis zur Angst vor dem Ergebnis. Der erste Männergesundheitsbericht macht jedoch nicht die Männer allein für ihr Verhalten verantwortlich.

Vorsorge und medizinische Angebote gehen immer noch viel zu oft an männlichen Bedürfnissen vorbei. Aus diesem Grund verdrängen Männer ihre körperlichen und seelischen Beschwerden und suchen sich dementsprechend viel zu selten und oftmals viel zu spät Hilfe. Zu diesem Ergebnis kommt der Erste Deutsche Bericht zur Männergesundheit, einer Pilotstudie der Stiftung Männergesundheit und der Gesellschaft für Mann und Gesundheit, die in Berlin vorgestellt wurde.

Herzinfarkt, Lungenkrebs und Depressionen

Nicht nur bei tödlich endenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt das vermeintlich starke Geschlecht demnach weit vorn: Das Risiko ist für Männer zwei bis viermal so hoch wie für Frauen, für einen tödlichen Herzinfarkt liegt ist es um 2,4 Mal höher. Auch an der Raucherkrankheit Lungenkrebs sterben zweieinhalb mal so viele Männer wie Frauen. Alkoholmissbrauch mitsamt allen körperlichen und psychischen Folgen ist ebenfalls eine männliche Domäne: Das Verhältnis von Männern zu Frauen liegt bei 5 zu 1. Diabetes, Gicht, Fettleibigkeit und Bluthochdruck schließen sich an.

Aber auch seelisch geht es vielen Männern schlecht. "Entgegen allgemeiner Auffassungen leiden Männer nicht seltener an psychischen Störungen als Frauen, sie weisen nur andere Erkrankungsbilder auf", sagte Anne Maria Möller-Leimkühler von der Klinik für Psychiatrie an der Universität München. Alkohol, Drogen, antisoziale Persönlichkeitsstörungen und Selbstmorde nennt sie als typisch männliche Muster. Vor allem bei den Jüngeren sei aber auch ein Zuwachs an Depressionen zu verzeichnen.

Neue Bedingungen schaffbar

"Männer haben heute eine fünf Jahre geringere Lebenserwartung als Frauen. Aber viereinhalb Jahre davon sind durch soziokulturelle Faktoren bestimmt. Wir können Bedingungen schaffen, die Männer helfen, gesünder zu leben", sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) bei der Präsentation des Berichts. Sie kündigte eine staatliche Studie für nächsten Sommer an.

Die Zusage der Ministerin scheint längst überfällig, denn bereits seit Oktober 2001 fordert die "Initiative für einen bundesdeutschen Männergesundheitsbericht" die Bundesregierung auf, eine solche Studie in Auftrag zu geben. 

Quelle: ntv.de, jze/dpa

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