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Volumen der grauen Substanz Männergehirne lassen Persönlichkeit ablesen

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Wie emotional stabil ein Mann ist, hängt von mehreren Faktoren ab.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

An bestimmten Hirnstrukturen wollen Wissenschaftler ablesen können, ob ein Mann extrovertiert, gewissenhaft und emotional stabil ist. Bei Frauen allerdings geht das nicht.

Wissenschaftlern ist es gelungen, einen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit von Männern und der Menge der grauen Substanz in bestimmten Teilen des Gehirns herzustellen. Die Forscher um den Neurowissenschaftler Professor Simon B. Eickhoff vom Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sind sich sicher, dass Geschlechtshormone sowohl mit der Persönlichkeit als auch mit der Neurobiologie verbunden sind.

Für die Untersuchung, die die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in den Vordergrund stellte, wurde 182 Frauen und 182 Männern mittels Magnetresonanztomographie ins Hirn geschaut und das Volumen an jeder Stelle des Gehirns analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass es erkennbare Zusammenhänge zwischen dem Volumen der grauen Hirnsubstanz und bestimmten Charaktereigenschaften gibt - allerdings nur bei den männlichen Probanden.

Kein erkennbarer Effekt bei Frauen

Dass sich bei Frauen dieser Zusammenhang nicht zeigte, führt Eickhoff auf den Einfluss von Geschlechtshormonen zurück. Während der Studie wurden Frauen in verschiedenen Phasen des Zyklus' untersucht, sodass die Hormonkonzentrationen bei den Untersuchungen stark variierten. Bei Männern dagegen schwankt der Testosteronspiegel über eine längere Zeitspanne deutlich weniger. Vermutlich habe sich bei den Probandinnen wegen der unterschiedlichen Hormonkonzentrationen kein Effekt gezeigt. "Wir vermuten außerdem, dass bei Frauen die Persönlichkeit stärker von der Interaktion zwischen Hirnregionen bestimmt wird und weniger durch das Volumen der grauen Substanz in bestimmten Hirnarealen", erklärt Eickhoff.

Die graue Hirnsubstanz in einer Großhirnfurche zwischen Hinterhaupts- und Scheitellappen besteht überwiegend aus den Zellkörpern von Nervenzellen des zentralen Nervensystems. Die Ausläufer dieser Nervenzellen befinden sich in der sogenannten weißen Substanz. Eickhoff entdeckte einen Zusammenhang zwischen der Menge an grauer Substanz in der betreffenden Hirnregion und Charaktereigenschaften wie Extrovertiertheit, Pflichtgefühl und emotionaler Stabilität – aber eben nur bei Männern.

Mehr Volumen, mehr Persönlichkeit

Da diese Region im Gehirn im Zusammenhang gesehen wird mit Seh- und Wahrnehmungsfunktionen sowie dem Gedächtnis und der Impulskontrolle, könnten Männer mit größerem Volumen an grauer Substanz auch in diesen Bereichen bessere Leistungen zeigen. "Dies müsste aber noch einmal gezielt untersucht werden", schränkt der Neurowissenschaftler ein, dessen Studie sich auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen konzentrierte.

In Zukunft sollen in weiteren Experimenten die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf die Interaktion zwischen Hirnregionen, die mit Persönlichkeit in Verbindung stehen, untersucht werden. Die Ergebnisse könnten bei der Beantwortung der Frage, warum bestimmte psychische Erkrankungen häufiger bei Männern beziehungsweise Frauen auftreten, helfen.

Quelle: ntv.de, jaz