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Besser als Diät Magenbypass hilft gegen Diabetes

Bei stark übergewichtigen Diabetikern kann die Krankheit durch einen Magenbypass verschwinden. Warum das so ist, verstehen Mediziner erst nach und nach.

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Wie Magenbypässe den Blutzuckerspiegel verbessern, ist unklar.

(Foto: picture alliance / dpa)

US-Forscher analysierten das Vorkommen von Eiweißbausteinen – Aminosäuren – nach dem Legen eines Magenbypasses. Insbesondere der Gehalt an langkettig-verzweigten und ringhaltigen Aminosäuren gehe nach einer Magenbypass-Operation zurück, schreibt die Gruppe um Blandine Laferrère vom St. Luke‘s and Roosevelt Hospital Center in New York. Sie hatte fettleibige Menschen mit Typ-2-Diabetes untersucht, der meist erst im Erwachsenenalter auftritt, und berichtet darüber im Journal "Science Translational Medicine".

Bei dem Eingriff wird der Magen drastisch verkleinert. Oft werden auch Teile des Darms umgangen. Die Ärzte leiten auch Verdauungssäfte um – daher verwertet der Körper insbesondere Fett schlechter. Der Patient hat das Operationsrisiko zu tragen, kann zunächst nur Flüssigkost zu sich nehmen und muss sein Leben lang Nahrungsergänzungsmittel schlucken.

Unabhängig vom Gewichtsverlust

Mediziner hatten bereits entdeckt, dass Magenbypässe den Blutzuckerspiegel verbessern können. Wie das geschieht, ist bislang unklar, denn der Bypass verbessert die Zuckerwerte von Typ-2-Diabetikern bereits kurz nach der Operation, noch bevor es zu einer echten Gewichtsreduzierung gekommen ist. Auch der Aminosäuregehalt wird sofort verändert. Das geschieht damit unabhängig vom sinkenden Gewicht. So verschwand ein Diabetes nach Forscherangaben je nach Studie bei bis zu 80 Prozent der zuvor fettleibigen Patienten mit Magenbypass, aber "deutlich seltener" nach einer Diät.

Für die neue Studie verglichen die Forscher zehn fettleibige Probanden mit Magenbypass und elf, die ihr Gewicht per Diät reduziert hatten. Alle Probanden hatten jeweils zehn Kilogramm abgespeckt. Ergebnis: Die operierten Patienten besaßen kurz darauf einen wesentlich kleineren Anteil an langkettig-verzweigten Aminosäuren als ehemals übergewichtige Diabetiker – und zwar, bevor sie durch den Eingriff Gewicht verloren hatten. Die Menge der ringhaltigen Aminosäuren (Phenylalanin und Tyrosin) war genauso niedrig wie bei den Diabetikern mit Diät. Die Reduktion dieser Aminosäuren war verbunden mit einer Verbesserung der Blutzuckerkonzentration bei Diabetikern mit Magenbypass.

Zudem hatten weitere drei Studien die langkettig verzweigten und ringhaltigen Aminosäuren bereits mit Insulinresistenz in Verbindung gebracht. Gerade Typ-2-Diabetiker sind unempfindlich gegen das Hormon Insulin, das den Blutzuckerspiegel kontrolliert. Eine Studie zeigte, dass diese Aminosäuren auch als Biomarker dienen können, die das Risiko für Diabetes-Typ-2 anzeigen.

"Die Annahme verfestigt sich, das verzweigte Aminosäuren und ähnliche Substanzen mit Insulinresistenz und Diabetes in Verbindung stehen und das sie Stoffwechselstörungen hervorrufen können", erklärte Seniorautor Christopher Newgard. Die neue Studie zeige, dass diese Stoffwechselprodukte sehr stark auf das Einsetzen eines Magenbypasses reagieren. Nun sei es nötig herauszufinden, warum diese Aminosäuren bei Typ-2-Diabetikern ansteigen – durch genetische Veranlagung, die Ernährung, Darmbakterien oder eine Kombination mehrerer Faktoren.

Quelle: ntv.de, dpa

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