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Immer mehr Störche Nahrungsmangel könnte zum Problem werden

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Ein Weißstorchenpaar (Ciconia ciconia) in seinem Nest im brandenburgischen Sieversdorf: Etwa 1200 Brutpaare gibt es in Brandenburg.

(Foto: picture alliance / dpa)

Langsam, aber stetig: Die Zahl der Störche in Deutschland wächst seit Jahren wieder an. Schön, könnte man meinen – gilt der Meister Adebar doch gemeinhin als Glücksbringer. Doch es gibt ein Problem: Die Störche finden immer weniger Nahrung.

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Zwei wenige Tage alte Weißstörche werden im Weltvogelpark in Walsrode vom Elternvogel umsorgt.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Deutschland gibt es immer mehr Störche, aber immer weniger geeigneten Lebensraum. Ein Rückgang der Nahrungsflächen bedeute ein Ernährungsproblem, sagte Storchbetreuer Hans-Jürgen Behrmann, zuständig für die niedersächsischen Landkreise Gifhorn und Celle. "Das wird für die Störche vielleicht zur Katastrophe führen", warnte Udo Hilfers von der Storchenpflegestation Wesermarsch in Berne.

Ein Auslöser ist nach Ansicht der Storchenhüter der verstärkte Maisanbau. "Im Maisfeld findet der Storch keine Maus", sagte Bärbel Rogoschik vom Nabu-Artenschutzzentrum in Leiferde. Behrmann kritisierte, dass fast sämtliche Grünbrachen inzwischen beackert würden. "Wir brauchen eine intakte Natur damit alle Tiere leben können und keine Monokultur", forderte Hilfers. "Wir müssen Grünlandflächen erhalten und Grünbrachen wieder einrichten."

Mülldeponien statt Afrika

In ganz Deutschland zählte die Nabu-Bundesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz im vergangenen Jahr 5229 Paare, ein Plus von sieben Prozent. 2012 gab es in Niedersachsen und Bremen 574 Storchenpaare, 15 Prozent mehr als 2011. Auch in Nordrhein-Westfalen sind die Zuwachsraten zweistellig. Den stärksten Rückgang gab es nach der Statistik im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern mit minus 25 Prozent. Die einst starke Ostpopulation der überwiegend ostwärts ziehenden Störche gehe zurück, während die Westpopulation über Spanien hinzugewinne, sagte Hilfers.

Die Verluste der Westzieher sind wesentlich geringer als bei ihren ostziehenden Artgenossen. Auf ihrem Zug in den Süden überwintern inzwischen viele Tiere in Spanien und fliegen nicht mehr bis nach Afrika. Auf den Mülldeponien in Spanien fänden die Störche genügend Nahrung zum Überleben, erläuterte Hilfers. "Die sind da nicht sehr wählerisch, auch vor Nudeln schrecken sie nicht zurück." Somit würden immer mehr Jungstörche überleben. Auch im langen deutschen Winter haben sich die früh zurückgekehrten Störche bei Frost und Schnee Ausweichstellen gesucht. Auf den Mülldeponien in Braunschweig und Wolfsburg seien im Februar bis zu 60 Störche gesichtet worden, so viele wie noch nie, sagte Behrmann. "Die Tiere sind findig und gucken, wie sie über die Runden kommen."

Gefechte ums Terrain

Die große Population mit vielen Einzeltieren führt bei den Störchen inzwischen auch zu Revierkämpfen. So wurde in einem Nest bei Gifhorn bereits gebrütet, als ein weiterer Storch auftauchte. Seine "Frau" hatte sich einen Jüngeren zur Paarung ausgesucht. Doch der Alte vertrieb den Neuen und zerstörte die Brut, um mit seinem eigenen Erbgut zum Zuge zu kommen. Nun hockt das Paar vereint auf dem Nest. Da muss man jetzt abwarten, ob das Weibchen noch mal nachlegt, meinte "Storchenvater" Behrmann.

In den westlichen Bundesländern sind nach Nabu-Angaben inzwischen die ersten Störche geschlüpft. In Niedersachsen meldete die Wesermarsch und Leiferde (Kreis Gifhorn) den ersten Nachwuchs. Der lange Winter hat diesmal die Brut verzögert. "Die Paare haben etwa zwei Wochen später angefangen."

Quelle: ntv.de, dpa