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Tests in der oberen Erd-Atmosphäre Nasa verschießt Chemo-Raketen

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Nadelspitz und gefüllt mit hochexplosivem Trimethylaluminium: eine Orion-Rakete mit Terrier-Startstufe (l.).

(Foto: www.nasa.gov)

Mit einer groß angelegten Testreihe wollen Nasa-Wissenschaftler Höhenwinde über dem Atlantik untersuchen. Von der US-Ostküste aus starten Forschungsraketen Richtung Europa. Über dem Meer sollen sie einen Stoff versprühen, der gut sichtbare Streifen in den Himmel zeichnet.

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Das Testgebiet vor der US-Ostküste (Grafik): Die Nasa informiert ausführlich über Startzeiten, Inhaltsstoff und Windrichtung.

(Foto: www.nasa.gov)

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat fünf Raketen abgefeuert, um in mehr als hundert Kilometern Höhe über der Erde Starkwinde zu messen. Die Raketenstarts sind Teil eines mehrtägigen Experiments zur Erforschung der Sonnenaktivitäten und ihrer Auswirkungen auf die Erdatmosphäre.

Bei dem Versuch namens Anomalous Transport Rocket Experiment (Atrex) sollen die Raketen eine Kondensstreifen mit Chemikalien? freisetzen, die einen milchig-weißen Schweif zurücklässt. Eingebunden ist das Experiment in die heliophysikalischen Forschungen der Amerikaner.

Kameras am Boden sollen die Spuren am Himmel von drei verschiedenen Standpunkten aus beobachten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Winddrift deutliche Verzerrungen im Raketenschweif hinterlässt. Auf diese Weise erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse darüber, wie sich die in großer Höhe tobenden Windströme entwickeln. Die Untersuchung könnte zudem wertvolle Informationen über elektromagnetische Felder liefern, hieß es. Atrex könne zur Aufklärung der Frage beitragen, wie diese starken Winde entstehen, sagte Nasa-Wissenschaftler Miguel Larsen.

Von Deutschland aus sind die Raketenschweife nicht zu erkennen. Allerdings sollen Aufnahmen des Experiments später veröffentlicht werden. Die Spuren der Raketen sollen dabei auch für Laien gut erkennbar sein.

Die Startrampen liegen nach Angaben der Nasa an der US-Ostküste auf dem Gelände der Wallops Flight Facility, einem seit Jahrzehnten genutzten Raketentestgelände auf einer sandigen Insel im Atlantik vor dem Bundesstaat Virginia. Bis zur US-Hauptstadt Washington sind es nur rund 150 Kilometer Luftlinie nach Westen. Im Rahmen des Experiments starten die Atrex-Raketen in mehreren Testreihen im Abstand von jeweils mehreren Minuten Richtung Osten. Die Tests dauern bis kommende Woche an.

Schnelle Winde

Zum Einsatz kommen dabei verschiedene Modelle: Bei zwei der verwendeten Projektile handelt es sich um Höhenforschungsraketen vom Typ Orion, die in Teilen baugleich sind mit der militärischen Luftabwehrrakete vom Typ Hawk. Nasa-Techniker haben ihre Reichweite durch sogenannte Terrier-Treibsätze erweitert. Daneben schickt die Nasa jeweils eine Rakete vom Typ Terrier-Oriole und jeweils zwei Malemute-Raketen - ebenfalls ergänzt durch Terrier-Startstufen - in den Himmel.

Bei den sogenannten Jetstreams handelt es sich um Starkwindbänder, die sich in großen Höhen rund um den Globus ziehen. Meteorologen unterscheiden dabei grob in Strahlströme, die in der Nähe der Polarkreise und der Subtropen in einer Höhe zwischen 7 und 16 Kilometern um die Erde tosen.

Die fragliche Zone, in der die Raketen ihre Markierungsstoffe versprühen sollen, liegt den Angaben zufolge dagegen in einer Höhe von etwa 100 Kilometern. Im Testgebiet weht laut Nasa ein Wind mit 320 bis 480 km/h Geschwindigkeit. Bei diesem Tempo dauert es nicht viel mehr als zwölf Stunden, bis der Wind den Atlantik überquert. Die Höhenwinde tragen die verwendete Chemikalie - NASA-Angaben zufolge handelt es sich dabei um Trimethylaluminium (TMA) - zunächst in Richtung Nordosten.

Das Meer unter dem Testgebiet bleibt bis zum Abschluss des Experiments für die Schifffahrt gesperrt. Mit Auswirkungen auf Europa ist nicht zu rechnen: Experten zufolge reagiert der freigesetzte Markierungsstoff sehr stark mit Wasserdampf. In der Erdatmosphäre dürfte sich die Chemikalie daher sehr schnell in Aluminiumoxid und verschiedenen Kohlenwasserstoffen zersetzen - lange bevor die Dämpfe den Himmel über Europa erreichen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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