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Deutlich weniger Beschwerden Nasen-Knorpel funktioniert auch im Knie

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Auch Fußballerknie sind starken Belastungen ausgesetzt.

(Foto: imago stock&people)

Das Knorpelgewebe im Knie dämpft die mechanischen Belastungen, denen das Gelenk ausgesetzt ist. Beschwerden im Kniegelenk plagen vor allem Sportler oft. Knorpel aus der Nase können da helfen - das beweist eine erste Studie, der bereits eine größere folgt.

Knorpel aus der Nase könnten künftig eine wichtige Quelle für einen Ersatz von defektem Knorpel im Kniegelenk sein. Ärzte des Universitätsklinikums Basel (Schweiz) haben in einer ersten Studie am Menschen gezeigt, dass das Verfahren gut anwendbar ist und bei den Patienten zu einem Leben mit deutlich weniger Beschwerden führt. Gleichwohl weisen die Autoren um Ivan Martin darauf hin, dass noch ein langer Weg bis zu einer allgemeinen klinischen Anwendung zu gehen ist. Die Forschungsergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal "The Lancet".

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Knorpel aus der Nase können Menschen mit Beschwerden im Kniegelenk helfen.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Das Knorpelgewebe im Knie dämpft die mechanischen Belastungen, denen das Gelenk täglich ausgesetzt ist. Wenn es durch eine Verletzung oder einen Unfall beschädigt wird, kann es der Körper nur sehr eingeschränkt ersetzen. Mittlerweile gibt es eine Reihe von medizinischen Verfahren, um die Funktion des Knorpels im Knie wiederherzustellen. Doch diese führen bisher oft zu langen Rehabilitationszeiten oder zu Schädigungen der Stellen, denen man Knorpel für das Ersatzgewebe entnommen hat. Weil Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand bekannt dafür sind, belastbar zu sein und sich gut zu vermehren, entwickelten Martin und Kollegen das jetzt getestete Verfahren.

Die Forscher entnahmen zehn Patienten - acht Männern und zwei Frauen - Knorpelgewebe mit einem Durchmesser von nur sechs Millimetern aus der Nasenscheidewand. Für den Eingriff genügte eine örtliche Betäubung. Das Gewebe wurde zerkleinert und zusammen mit Blutserum des jeweiligen Patienten in eine Nährlösung gegeben. Nachdem sich die Zellen zwei Wochen lang vermehrt hatten, brachten die Mediziner sie auf eine dünne Schicht Kollagen auf. Nach weiteren zwei Wochen hatte sich ein Knorpelgewebe von 30 mal 40 Millimetern Größe gebildet, das dann zurechtgeschnitten und ins Knie des Patienten eingesetzt wurde.

Viel weniger Beschwerden als vor Eingriff

Bei Befragungen nach 6 und nach 24 Monaten berichteten die Patienten über deutlich weniger Kniebeschwerden als vor dem Eingriff. Laboruntersuchungen zeigten Werte für sogenannte Glykosaminoglykane und Kollagen vom Typ II, die natürlichem Knorpelgewebe recht nahe kommen. Die Forscher führen dieses Ergebnis darauf zurück, dass die Knorpelzellen aus der Nase eine umfangreiche extrazelluläre Matrix hergestellt hatten. In diese Matrix, die das Knorpelgewebe steif macht, sind die Knorpelzellen eingebunden.

In einer Studie mit 25 Patienten wird das Verfahren am Universitätsklinikum Basel nun weiter getestet. Im Hinblick auf das Verfahren zitiert eine Mitteilung von "The Lancet" Ivan Martin mit den Worten, es bedürfe "einer strengen Beurteilung der Wirksamkeit in größeren Patientengruppen und die Entwicklung von Herstellungsstrategien, um Kosteneffizienz zu gewährleisten."

In einem Kommentar des Journals weisen Nicole Rotter und Rolf Brenner vom Universitätsklinikum Ulm darauf hin, dass das Verfahren auch Gelenkerkrankungen wie Arthrose vorbeugen kann. Sie kritisieren, dass die Studienautoren keine Angaben zu den Folgen des Eingriffs an der Nase machen. Insgesamt aber sehen sie die Forschungsergebnisse positiv: "Dieser erste Test an Menschen stellt einen wichtigen Fortschritt hin zu einer weniger invasiven, auf Zellen basierenden Reparaturtechnologie für Schädigungen an Gelenkknorpel dar."

Quelle: n-tv.de, Stefan Parsch, dpa

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