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Zukunftsweisende Landbewohner Natur regt zu nachhaltigen Entscheidungen an

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In der Natur verspürt der Mensch ein verstärktes Bewusstsein für Ressourcen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auf dem Land läuft alles ein wenig gemächlicher. Das wirkt sich offenbar auch auf die Entscheidungsstrategien der Bewohner aus. Einer Studie zufolge führt die Nähe zur Natur zu längerfristig orientiertem Denken - ein Effekt, mit dem sich drängende Probleme vielleicht lösen lassen.

Menschen, die nahe der Natur leben, planen möglicherweise langfristiger. Das hat eine Forschergruppe um Mark van Vugt von der Freien Universität Amsterdam herausgefunden. Die niederländischen Sozialpsychologen beobachteten Entscheidungsstrategien bei finanziellen Anreizen. Über ihre Ergebnisse berichten sie in den "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Zunächst ließen die Forscher 47 durchschnittlich 20 Jahre alte Probanden zwischen kurzfristigen und langfristigen Geldgeschenken entscheiden: Sie erhielten entweder 100 Euro sofort oder einen deutlich höheren Geldwert nach mehreren Wochen. Zuvor wurden ihnen Bilder mit Eindrücken aus einem städtischen Umfeld oder der Natur gezeigt, zudem wurden die Männer und Frauen aufgefordert, sich gedanklich in die Landschaft hineinzuversetzen.

Deutlicher Effekt erkennbar

In einem ähnlichen Versuch testeten die Forscher dann das Verhalten 67 weiterer Probanden. Bei der Feldstudie schließlich wurden 43 zuvor für die Studie rekrutierte Menschen in städtischer Umgebung oder in einem Wald nahe Amsterdam ebenfalls um eine Entscheidung zwischen einem schnellen und einem langfristigen Gewinn gebeten. "Alle drei Studien zeigen einen deutlichen Effekt seitens der Natur. Die Entscheidung für den langfristigen Gewinn fiel naturnah bis zu 15 Prozent häufiger", schreiben die Forscher in ihrem Artikel.

Psychologisch gesehen seien die Ergebnisse spannend: Der Drang nach sofortiger Belohnung und die Fähigkeit, für einen größeren Nutzen länger zu warten, sind aus Sicht der Wissenschaftler eng an das eigene Sozialverhalten, einen gesunden Lebenswandel und das Bewusstsein für Ressourcen gekoppelt.

Gründe für ihre Beobachtungen sehen sie vor allem in unterschiedlichen Lebensweisen zwischen Stadt und Land, beispielsweise sei das Streben nach Status und der Konkurrenzdruck in der Stadt größer. "Viele Probleme unserer heutigen Welt, wie Klimawandel oder die Umweltverschmutzung, werden durch zu kurzfristig orientierte Entscheidungen verstärkt. Der positive Effekt seitens der Natur könnte deshalb einen Beitrag zu ihrer Lösung leisten", so die Forscher. Der größte Teil der Weltbevölkerung lebt in Städten.

Quelle: ntv.de, dpa

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