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Wie lebten unsere Vorfahren? Neandertalerin zog zum Mann

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Die Neandertaler sind Vorfahren des Menschen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit Hilfe der Knochenfunde im nordspanischen El Sidròn können Wissenschaftler beweisen, dass die Männer einer zwölfköpfigen Neandertalergruppe verwandt gewesen sind. Daraus leiten die Forscher ab, dass die Frauen zu den Männern zogen.

Neandertaler-Paare lebten vermutlich bei der Sippe des Mannes. Darauf deuten Erbgut-Untersuchungen an Knochen einer zwölfköpfigen Neandertaler-Gruppe hin. Dieses als Patrilokalität bezeichnete Verhalten sei auch in 70 Prozent aller modernen Kulturen zu finden, schreiben die Forscher in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Die Überreste der untersuchten Neandertaler waren im nordspanischen Asturien ausgegraben worden. In der El Sidròn genannten Fundstätte sind in den vergangenen zehn Jahren bereits mehr als 1800 Skelett-Fragemente und mehr als 400 Steinwerkzeuge gefunden worden. Carles Lalueza-Fox von der Universität Pompeu-Fabra (Barcelona/Spanien) und seine Mitarbeiter analysierten das Erbgut von sechs Erwachsenen, drei Heranwachsenden, zwei Kindern und einem Kleinkind. Die Mitglieder der Sippe waren alle etwa zur gleichen Zeit gestorben. Ihre Überreste fanden sich in einer Höhle.

Untersuchung der Verwandtschaftsverhältnisse

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Nachbildungen von Neandertalern im Neanderthal Museum in Mettmann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Untersuchungen der Knochen ergaben zunächst, dass es sich bei den sechs Erwachsenen um drei Frauen und drei Männer handelte. Dieses Ergebnis bestätigten die Wissenschaftler in der anschließenden Untersuchung des Erbguts. Sie analysierten dann das Erbgut in den Mitochondrien der Zellen genauer. Die Mitochondrien werden als Kraftwerke der Zellen bezeichnet. Sie besitzen ein eigenes Erbgut, das nur von der Mutter stammt. Es findet also bei der Fortpflanzung keine Vermischung mit dem väterlichen Erbgut statt. Daher kann die Analyse des mitochondrialen Erbguts zur Bestimmung von Verwandtschaftsbeziehungen verwendet werden.

Die Untersuchung ergab, dass die drei erwachsenen Männer mitochondriales Erbgut der gleichen Abstammungslinie besaßen, nämlich der Linie A. Bei den drei Frauen hingegen stammte das mitochondriale Erbgut jeweils von einer anderen Abstammungslinien: A, B und C. Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass die Neandertaler-Frauen ihre eigene Familie verließen und bei der Sippe ihres Mannes lebten. Die Ergebnisse lieferten spannende Hinweise auf die Demographie und das Verhalten unser ehemals engsten lebenden Veranwandten und könne dazu beitragen, die Faktoren besser zu verstehen, die zu ihrem Aussterben führten, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle: n-tv.de, dpa

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