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"Ceres" ist das größte und massereichste Objekt im Asteroidengürtel.
"Ceres" ist das größte und massereichste Objekt im Asteroidengürtel.(Foto: DLR/dpa)
Donnerstag, 16. Februar 2017

Neue Hinweise auf Leben im All?: Organische Verbindungen auf "Ceres"

Wasser gilt als Grundlage für Leben - auch außerhalb der Erde. Doch auch Kohlenstoffverbindungen könnten ein Hinweis darauf sein. Diese wurden nun auf dem Zwergplaneten "Ceres" gesichtet.

Die Raumsonde "Dawn" hat auf dem Zwergplaneten Ceres Kohlenstoffverbindungen erspäht, die bei der Entstehung von Leben eine Rolle gespielt haben können. Die sogenannten aliphatischen organischen Verbindungen ähneln teerartigen Mineralen. Eine internationale Forschergruppe um Maria Cristina De Sanctis vom italienischen Institut für Astrophysik INAF in Rom stellt die Beobachtungen im Fachblatt "Science" vor.

Der Fund eröffne die Möglichkeit, dass sich auf dem Zwergplaneten einfaches Leben entwickelt haben könnte, heißt es in einem Begleitkommentar in "Science".

Deutliche Signatur

Die Sonde der US-Raumfahrtagentur Nasa hat den Forschern zufolge die Signatur von Methyl- (CH3) und Methylengruppen (CH2) gemessen, die in aliphatischen organischen Verbindungen vorkommen. "Es ist das erste Mal, dass wir so eine deutliche Signatur auf einem extraterrestrischen Himmelskörper sehen", sagt De Sanctis in einem erläuternden Video.

Um welche Moleküle es sich genau handelt, lässt sich aus den Messdaten allerdings nicht ersehen. Die Beobachtung belege aber, dass es organisches Material im Asteroidengürtel gebe, betont Michael Küppers von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in seinem Begleitkommentar.

Ceres ist mit einem mittleren Durchmesser von etwa 940 Kilometern der größte Himmelskörper im Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter.

Aus dem Inneren des Zwergplaneten

Die organischen Verbindungen sind in einem etwa 1000 Quadratkilometer großen Gebiet um den rund 50 Kilometer messenden Krater Ernutet auf der Oberfläche des Zwergplaneten verteilt, berichten die Forscher um De Sanctis. Es sei unwahrscheinlich, dass sie durch den Einschlag eines anderen Himmelskörpers auf Ceres gelangt seien, da die Hitze des Aufpralls die Verbindungen zerstört hätte.

Zudem entspreche die Verteilung nicht dem erwarteten Muster nach einem Einschlag. Da es viele kohlenstoffreichen Böden, Wasser und möglicherweise Wärme auf dem Zwergplaneten gebe, seien die organischen Verbindungen wahrscheinlich im Inneren des Himmelskörpers entstanden, meinen die Forscher. "Wir haben eine Menge interessanter Chemie auf Ceres", unterstreicht De Sanctis.

Unterirdischer Ozean vermutet

Möglicherweise beherberge Ceres einen unterirdischen Ozean, schreibt Küppers. Dort könnten sich einfache Lebensformen entwickelt haben. Wie unser Nachbarplanet Mars und mehrere Eismonde von Jupiter und Saturn könnte der Zwergplanet daher ein potenzieller Hort für außerirdisches Leben in unserem Sonnensystem sein. Das lasse sich aber wie bei den anderen Objekten erst durch künftige Weltraummissionen klären, erläutert Küppers.

Quelle: n-tv.de