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"Echo des Urknalls" "Planck" lauscht

Das "Echo des Urknalls" war eine Zufallsentdeckung: 1964 standen die beiden Ingenieure Arno Penzias und Robert Wilson der amerikanischen Bell Laboratories vor einem Rätsel. Sie waren mit der Eichung einer riesigen Hornantenne für die Satellitenkommunikation beschäftigt und kämpften mit einem hartnäckigen Hintergrundrauschen. Es ließ sich nicht beseitigen und schien gleichmäßig aus allen Richtungen zu kommen. Am Ende blieb nur der Schluss, dass dieses Rauschen aus dem Weltraum stammte.

Penzias und Wilson informierten Forscher der US-Universität Princeton über ihre Entdeckung, die das Rauschen als die bereits 1948 vom Kernphysiker George Gamow vorausgesagte kosmische Hintergrundstrahlung identifizierten. 1978 bekamen Penzias und Wilson für ihre Entdeckung den Physik-Nobelpreis. Mit dem europäischen Satelliten "Planck", der im Mai gemeinsam mit dem Weltraumteleskop "Herschel" ins All starten wird, soll diese kosmische Hintergrundstrahlung nun so genau vermessen werden wie nie zuvor.

Nachglimmen des Feuerballs

Das "Echo des Urknalls" ist das Nachglimmen des glutheißen Feuerballs vom Beginn des Universums. Im Laufe der Äonen hat sich dieses Glühen auf 2,7 Grad über dem absoluten Nullpunkt der Temperatur (minus 273,15 Grad Celsius) abgekühlt. Die Wellenlänge dieser Strahlung liegt heute im Mikrowellenbereich, deshalb wird die Strahlung auch Mikrowellen-Hintergrund genannt. Diese kosmische Hintergrundstrahlung kommt bemerkenswert gleichmäßig aus allen Richtungen. Die genaue Vermessung hat inzwischen winzige Schwankungen im Urknall-Echo ergeben. Diese Fluktuationen, die zuerst der NASA-Satellit "COBE" zu Beginn der 1990er Jahre großräumig vermessen hat, repräsentieren die Saat der ersten Galaxienhaufen im Universum.

Eine Art Rezept für das Weltall

Der 2001 gestartete Satellit "WMAP" lieferte die erste detaillierte Himmelskarte des Urknall-Echos und damit auch eine Art Rezept für das Weltall. Unser Kosmos ist demnach 13,7 Milliarden Jahre alt und sehr viel merkwürdiger als manche Forscher angenommen haben: Er besteht nur zu etwa 4 Prozent aus gewöhnlicher Materie, die Sterne, Planeten, Bäume und Menschen bildet. 23 Prozent trägt eine rätselhafte Dunkle Materie bei, die nicht sichtbar ist, sich aber durch ihre Schwerkraft verrät. Die Forscher vermuten, dass es sich dabei um bislang unentdeckte Elementarteilchen handeln könnte. Den weitaus größten Anteil hat mit 73 Prozent aber eine mysteriöse "Dunkle Energie", die das Universum auseinander treibt.

Rasante Expansion

Mit "Planck" wollen die Astronomen diesen Rätseln des Universums tiefer auf den Grund gehen. Der Satellit wird wie "WMAP" und "COBE" den gesamten Himmel kartieren und in der auf 15 Monate ausgelegten Mission die bislang genaueste Karte des Urknall-Echos liefern. Die Kosmologen erwarten von der rund 600 Millionen Euro teuren Mission Antworten auf die fundamentalen Fragen wie die Natur und genaue Menge der Dunklen Materie und der Dunklen Energie sowie Entwicklung der gegenwärtigen Struktur des Universums. Nach gegenwärtiger Vorstellung soll das Universum dafür kurz nach dem Urknall durch eine kurze Phase rasanter Expansion gegangen sein. Mit "Planck" wollen die Forscher unter anderem die Theorie dieser sogenannten Inflation testen. Spuren davon hoffen sie im Mikrowellen-Hintergrund aufzuspüren.

Quelle: n-tv.de

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