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Föten sind besonders gefährdet Plastikgrundstoff verändert Hirnentwicklung

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Der Mäusenachwuchs reagiert auf Bisphenol A.

picture-alliance / dpa/dpaweb

Ob in Zahnpasta, CDs oder Kassenbons: Der Plastikgrundstoff Bisphenol A versteckt sich in vielen alltäglichen Sachen und da ist das Problem. Nach einer US-amerikanischen Studie reichen schon geringe Mengen des Stoffes aus, um die Hirnentwicklung eines Fötus negativ zu beeinflussen - jedenfalls bei Mäusen.

Der umstrittene Plastikgrundstoff Bisphenol A beeinflusst offenbar die Hirnentwicklung im Mutterleib – und zwar schon in geringen Mengen. Darauf deutet ein Studie von US-Forschern an Mäusen hin. Demnach macht die allgegenwärtige Industriechemikalie den weiblichen Nachwuchs unter anderem ängstlicher, männliche Nachkommen werden dagegen forscher. Die Forscher führen dies in den "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS") auf Änderungen in der Genregulation zurück.Bisphenol A (BPA) steckt in zahllosen Artikeln des täglichen Bedarfs, von Lebensmittelverpackungen über Zahnfüllungen, CDs und Kassenbons bis hin zu Autoteilen und Baustoffen. Die Industriechemikalie, von der jährlich weltweit Millionen Tonnen produziert werden, ist in Deutschland oder den USA im Urin der meisten Menschen nachweisbar. Weil BPA ähnlich wirkt wie das weibliche Sexualhormon Östrogen, streiten Forscher seit Jahren heftigst über das Gefahrenpotenzial.

Die Frage nach der Menge

Dass der Stoff in höherer Menge die Gesundheit schädigt, steht fest. Diskutiert wird darüber, ab welcher Menge Schäden drohen – wobei gerade Babys und das ungeborene Leben besonders empfindlich reagieren. Die Psychologen um Frances Champagne von der Columbia University in New York gaben trächtigen Mäuse Bisphenol A in Tagesmengen zwischen 2 und 200 Mikrogramm pro Kilogram Körpergewicht. Zum Vergleich: In Europa gilt ein Tageswert von 50 Mikrogramm pro Kilo Gewicht als unbedenklich.

Beim Nachwuchs der Mäuse beobachteten die Forscher Verhalten, das Kontrollmäuse nicht hatten – und zwar auch schon bei vermeintlich unbedenklichen Dosierungen. So verhielten sich weibliche Nachkommen mit steigender Dosis zunehmend ängstlich, während männliche Jungtiere forscher wurden.

Veränderungen der Östrogenrezeptoren

Dies erklären die Wissenschaftler zumindest teilweise mit Veränderungen der Östrogenrezeptoren in verschiedenen Hirnarealen – bei den Männchen im Kortex, bei den Weibchen im Hypothalamus. Die Forscher vermuten, dass BPA auf das Enzym DNMT (DNA Methyltransferase) einwirkt, das das Ablesen von Genen reguliert.

"Man staunt über diese Auswirkungen niedriger Dosierungen", sagt Detlef Wölfle vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). "Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Bisphenol A auch in geringen Dosen die Genregulation und das Verhalten von Versuchstieren beeinflusst. Inwieweit dies auf den Menschen übertragbar sei, weiß man allerdings nicht." Unklar sei auch, warum sich in der Studie viele Befunde mit steigender Dosis gegensätzlich veränderten. Dies sei zurzeit schwer zu interpretieren, betont Wölfle.

Quelle: n-tv.de, dpa

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