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BASF zur Gentechnik "Präzise und sicher"

Aus Sicht von BASF geht es bei der Gentechnik um "Pflanzen für eine effizientere Landwirtschaft, für eine gesündere Ernährung sowie für die Nutzung als nachwachsende Rohstoffe". Der Bereich ist schon jetzt der größte "Wachstumscluster" des Unternehmens. Fragen an BASF-Sprecherin Susanne Benner.

n-tv.de: Greenpeace nennt Gentechnik eine "Risikotechnologie". Sehen Sie auch Risiken bei der Auspflanzung von gentechnisch veränderten Pflanzen?

Susanne Benner: Gentechnisch veränderte Pflanzen sind mindestens so sicher wie Pflanzen aus konventioneller Züchtung. Die konventionelle Züchtung zielt ähnlich wie die Gentechnik auf Merkmale, die die Widerstandsfähigkeit oder die Inhaltsstoffe von Pflanzen verbessern. Gentechnisch veränderte Pflanzen werden allerdings weitaus stärker kontrolliert - vom Labor bis zum fertigen Produkt.

Konventionell gezüchteten Pflanzen werden keine Gene aus Bakterien oder Viren eingebaut.

Da haben Sie Recht. Mit Hilfe der Gentechnik kann man beliebige Merkmale nutzen, die im Repertoire der Natur vorhanden sind - zum Beispiel aus Bakterien oder aus Algen. Im Moment arbeiten wir an einem Projekt, bei dem wir versuchen, den Stoffwechsel von Ölpflanzen mit Hilfe von Genen, die aus Algen stammen, zu optimieren, um Omega-3 Fettsäuren herzustellen.

Ölpflanzen wie Raps?

Ja. Ein konventioneller Züchter stößt hier schnell an Grenzen. Mit Hilfe der Gentechnologie können wir präzise definieren, welches Gen im Erbgut eines Organismus für ein bestimmtes Merkmal verantwortlich ist.

Gentechnik-Gegner sagen, über die Risiken von Gentechnik für den Verbraucher gebe es keine Mittelfrist- und Langzeitstudien.

Gerade bei den Produkten, die bereits auf dem Markt sind, aber auch bei denen, die sich erst in der Zulassung befinden, gibt es diese Untersuchungen. Wir haben seit mehr als zehn Jahren gentechnisch veränderte Pflanzen im Markt - in Europa zwar vor allem als Importware, aber wir haben sie im Markt. Die Entwicklung dieser Pflanzen wird von einer sehr ausführlichen Sicherheitsbeurteilung begleitet: von der Charakterisierung des genetischen Merkmals bis hin zu der Frage, ob die gentechnisch veränderte Pflanze sicher für die Umwelt ist. Zu jeder gentechnisch optimierten Pflanze wird ein umfassendes Gutachten erstellt, das von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde geprüft wird. Erst wenn diese Behörde zu dem Schluss kommt, dass es bei einer gentechnisch veränderten Pflanze keinen Unterschied in der Gefahr oder in der Sicherheit im Vergleich zu einer herkömmlich gezüchteten Pflanze gibt, wird das Produkt zugelassen.

Es heißt immer wieder, Gen-Pflanzen könnten Allergien auslösen.

Das glaube ich gerade nicht. Bevor wir ein genetisches Merkmal in eine andere Pflanze übertragen, charakterisieren wir sehr genau, welche Eigenschaft dieses Gen auslöst. Heute können wir sehr präzise vorhersagen, ob ein Gen möglicherweise Allergien auslöst. Ein solches Produkt würde zudem niemals zugelassen, weder in den USA noch in Europa.

Der Entwurf für das neue Gentechnikgesetz legt fest, dass zwischen Gen-Feldern und normalen Feldern 150 Meter Abstand sein müssen, zwischen Gen-Feldern und Bio-Feldern 300 Meter. Wie groß sollte der Mindestabstand Ihrer Meinung nach sein?

Die Abstandsregelung ist eine politische Entscheidung. In Deutschland geht es bislang nur um Mais, andere gentechnisch veränderte Pflanzen sind ja vorerst nicht zugelassen. Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass deutlich geringere Abstände ausreichen, um beim Mais Vermischung auszuschließen. Wissenschaftler sprechen von 25 bis 80 Metern. Übrigens geht es bei den Abstandsregelungen nicht um einen Sicherheitsaspekt für Mensch oder Umwelt. Es geht darum, aus wirtschaftlichen Gründen die Vermischung auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Wirtschaftliche Gründe?

Wir haben uns in der EU Regelungen gegeben, die Produzenten und Verbraucher die Möglichkeit geben sollen, zu entscheiden, woher Pflanzen kommen: aus der Gentechnik in der Landwirtschaft, aus der konventionellen Landwirtschaft oder aus der biologischen Landwirtschaft. Da müssen wir uns einfach auf Schwellenwerte einigen, um das Nebeneinander dieser Landwirtschaftsformen möglich zu machen.

In Kanada mussten Öko-Bauern angeblich den Anbau von Bio-Raps einstellen, weil sich der Gen-Raps landesweit ausgebreitet hat. Stimmt das?

Das kann ich nicht bestätigen. In Kanada gibt es allerdings sehr viel Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Weltweit sind Kanada, die USA, Argentinien und Brasilien, mittlerweile auch China und Indien auf dem Vormarsch. Aber auch innerhalb der EU haben sich Spanien und die Niederlande auf praktikable Regelungen geeinigt, die den Anbau gentechnisch optimierter Pflanzen ermöglichen.

Gentechnik-Gegner sagen, der Anbau von Gen-Pflanzen sorge für einen stärkeren Einsatz von Pestiziden.

Mit gentechnisch veränderten Pflanzen müssen weniger Chemikalien eingesetzt werden, weil bestimmte Schädlinge gar nicht an die Pflanze herankommen. Wir entwickeln derzeit eine Kartoffel, die gegen die so genannte Kraut- und Knollenfäule geschützt ist. Ein Landwirt, der sich für diese Sorte entscheidet, wird flexibler sein und weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen müssen.

Damit sind wir bei der Frage, was der Nutzen von gentechnisch veränderten Pflanzen ist.

Gentechnik optimiert die Landwirtschaft und macht sie effizienter. Die Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten ist nur einer der Fokuspunkte. Ein zunehmend wichtiger Bereich ist die Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen. Wir merken ja mittlerweile auch in Europa, dass es relativ trockene Perioden gibt. In Feldversuchen arbeiten wir daran, Pflanzen besser vor Trockenheit zu schützen. Dazu kommt das Thema Pflanze als Energiequelle. Wir werden die konventionelle Züchtung nicht ersetzen, aber mit der Gentechnik werden wir bei Energiepflanzen Ertragssteigerungen von mehr als 20 Prozent haben. Schließlich können wir mit der Gentechnik Inhaltsstoffe optimieren. Das Beispiel der Rapspflanzen habe ich bereits genannt: Mit Genen aus Algen bekommen wir Rapspflanzen, die Omega-3-Fettsäuren enthalten und damit gesünder sind.

Wann wollen Sie die Zulassung für diesen Raps beantragen?

Wir haben, wie gesagt, ein sehr ausführliches Zulassungsprocedere, wir müssen die Pflanzen über mehrere Jahre im Feldversuch testen. In fünf oder sechs Jahren werden diese Produkte auf den Markt kommen.

Das Argument, Genpflanzen könnten den Hunger in der Welt beseitigen, stellen Sie nicht mehr in den Mittelpunkt?

Das hat, glaube ich, auch nie jemand gemacht. Es wird leider immer wieder unterstellt, dass die Industrie dieses Argument vorgebracht hätte. Wir sind uns alle im Klaren darüber, dass Hunger auch politische und strukturelle Ursachen hat. Gentechnik kann einen Beitrag leisten, etwa beim Energieproblem. Aber die politischen und strukturellen Grundprobleme der Welt kann Gentechnik nicht lösen.

In welcher Größenordnung liegt der wirtschaftliche Nutzen?

Weltweit werden auf einer Fläche von mehr als 100 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, das ist etwa so viel wie Europa an Agrarfläche hat. Das sind vor allem Produkte der Generation 1, das heißt Insektenresistenz und Herbizidresistenz. Jetzt kommt die nächste Produktgeneration. Für 2025 rechnet man weltweit mit einem Markt von rund 50 Milliarden US-Dollar. Natürlich erwarten wir, dass wir einen ganz signifikanten Anteil daran haben werden.

Um wie viel Geld geht es bei Amflora?

Bei der BASF haben wir 1997/98 angefangen, die Biotechnologie-Plattform aufzubauen, Amflora ist jetzt das erste Produkt, das auf den Markt kommt. Wir gehen davon aus, dass wir Amflora 2008 zum ersten Mal kommerziell anbauen können und dann in einigen Jahren Lizenzeinnahmen von 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr generieren.

Wie schätzen Sie die Akzeptanz von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland ein?

Grundsätzlich ist das Thema Gentechnik bei Nahrungsmitteln kritisch besetzt. Auf entsprechende Fragen antwortet die Mehrheit der Bevölkerung: Ja, ich bin diesem Thema gegenüber skeptisch eingestellt. Wenn man jedoch im Detail fragt, zum Beispiel nach gesünderen Lebensmitteln durch gentechnisch veränderte Pflanzen, dann ändert sich das Bild. In Australien ist die Akzeptanz von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Bevölkerung auf mehr als 70 Prozent gestiegen. In Europa ist das im Moment noch nicht der Fall. Wenn aber erst die Produkte der nächsten Generation auf den Markt kommen, wird sich auch hier das Verbraucherverhalten ändern. Gleiches haben wir in der Pharmazie erlebt, in der Gentechnik nicht mehr wegzudenken ist.

Mit Susanne Benner sprach Hubertus Volmer

Quelle: n-tv.de