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Wie angenehm ist der Blickkontakt? Pupillenreaktion verrät alles

Der Grüne Star ist heimtückisch: Etwa eine halbe Million Bundesbürger haben einen erhöhten Augeninnendruck - die meisten merken davon nichts.jpg

Wer den Blick von anderen mag, reagiert mit einer stärkeren Weitung der Pupillen.

(Foto: dpa)

Für die Kommunikation von Menschen ist der Blickkontakt immens wichtig. Die Reaktion der Pupillen zeigt, ob jemand Augenkontakt schätzt oder nicht. Aber wie lange darf ein Blick dauern, bis er unangenehm wird?

Die Reaktion der Pupillen kann verraten, ob Menschen längeren Augenkontakt als angenehm empfinden oder nicht. Wer den Blick von anderen mag, reagiert einer Studie zufolge mit einer stärkeren Weitung der Pupillen. In Versuchen mit rund 500 Teilnehmern dauerte es durchschnittlich etwa drei Sekunden, ehe die Menschen Unbehagen empfanden. Das berichten die Psychologen um Nicola Binetti vom University College London im Fachblatt "Open Science" der britischen Royal Society.

Augenkontakt gebe es bei den meisten Interaktionen von Tieren, schreibt das Team. Oft signalisiere er Bedrohung oder aber Interesse. Demnach achten auch Menschen bei anderen schon von früher Kindheit an eher auf die Augen als auf andere Teile des Gesichts. Zwar werde ein Blick oft als angenehm empfunden - aber nur, solange er nicht zu lange andauere.

"Angesichts der Bedeutung des Blickkontakts bei sozialen Handlungen von Menschen (und Nicht-Menschen) und angesichts der Tatsache, dass unnormaler Blickkontakt als Hilfsmittel zur Diagnose klinischer Symptome wie Autismus und Schizophrenie benutzt wird, überrascht es, dass 'normaler' Blickkontakt kaum definiert ist", schreibt das Team.

Dauer eines als angenehm empfundenen Blickkontaktes

In der Studie testeten die Psychologen die Dauer eines als angenehm empfundenen Blickkontaktes. Dazu füllten knapp 500 Besucher eines Londoner Museums im Alter von 11 bis 79 Jahren zuerst Fragebögen zu ihrer Persönlichkeit aus. Dann sahen sie auf einem Bildschirm 40 Clips von männlichen oder weiblichen Schauspielern, die ihnen für eine jeweils unterschiedliche Dauer in die Augen blickten. Per Knopfdruck sollten die Teilnehmer angeben, ob sie diese Zeitspanne als zu lang oder zu kurz empfanden.

Im Mittel fanden die Probanden eine Zeitspanne von 3,3 Sekunden noch als angenehm. Dies galt relativ unabhängig von Alter, Geschlecht oder bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen der Teilnehmer - wobei die Forscher darauf hinweisen, dass es sich nicht um eine natürliche Situation zwischen zwei realen Personen handelte. Doch individuell hatten die Teilnehmer unterschiedliche Vorlieben bezüglich der Blickdauer.

Winzige, aber messbare Reaktion der Pupillen

Aufschluss darüber gab eine winzige, aber messbare Reaktion der Pupillen: Diese weiteten sich bei jenen Menschen, die längeren Blickkontakt bevorzugten, schneller und stärker. Das zeigte sich in der ersten halben Sekunde, teilweise sogar schon vor Beginn des eigentlichen Blickkontakts - offenbar schon aufgrund der Erwartung.

"Theoretisch könnte man die bevorzugte Blickdauer einer Teilnehmers allein aus der Stärke der Pupillenweitung als Reaktion auf einen Blick vorhersagen, ohne weitere verbale Hinweise", schreibt das Team. Die Weitung sei eine unwillkürliche Reaktionen des autonomen Nervensystems. Sie sei ein Hinweis auf körperliche Erregung und decke sich mit anderen Veränderungen etwa von Puls und Hautwiderstand.

Quelle: n-tv.de, Walter Willems, dpa

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